Welcher Satz ihr Hoffnung gibt und welche Verantwortung die Kreativen haben, verrät Dörte Spengler-Ahrens, Präsidentin des Art Directors Club und „Non-Executive Creative Chairwoman“ der JvM-Gruppe in ihrem Gastbeitrag für die Turi.Edition.23.

Wenn ich die Augen schließe, mir die Zukunft vorstelle und etwas wünsche, sehe ich mehr Positives als Negatives. Das ist natürlich Wunschdenken. Aber vielleicht hilft es, wenn alle positiv wünschen und denken. Wenn die Freude der Hoffnung Flügel verleiht. Wenn Lachen traurigen Situationen die Schwere nimmt. Wenn kleine gute Taten, random acts of kindness, ein großes, gutes Gefühl ergeben. Wenn Einsamkeit zu Gemeinsamkeit wird. Wenn Liebe das Leben bestimmt. Wenn das, was Menschen ausmacht, die Menschen wieder ausmacht.

Immer wenn Menschen gefragt werden, was das Wichtigste in ihrem Leben ist, sagen sie meist: ihre Familie. Das habe ich früher nicht verstanden, weil ich das Leben an sich spannender fand. Mit seinen Herausforderungen. Mit der Freude an der Arbeit. Mit dem Erfolg und Misserfolg im Beruf. Dann kam mit der Liebe ein großes Stück Glück dazu. Und mit der eigenen Familie noch eine ganz neue Dimension von Liebe und Glück. Deshalb sage ich heute: Das Wichtigste im Leben ist Lieben.

Wenn ich an die Zukunft der Gesellschaft denke, gibt mir folgender Satz Hoffnung: Nichts muss so kommen, wie man es befürchtet hat. Man kann vieles bewegen, indem man sich bewegt. Ein Beispiel: Die Angst, dass die schweigende Mehrheit in Deutschland heute rechts ist, hat die Menschen dazu bewegt, auf die Straße zu gehen – einfach um sprichwörtlich zu demonstrieren, dass dem nicht so ist.

»Nichts muss so kommen, wie man es befürchtet hat. Man kann vieles bewegen, indem man sich bewegt«

Es gibt die Chance, Dinge zu verändern. Durch Mut, Kraft und Kreativität. Wir als Kreative haben die Verantwortung, unsere Kreativität in den Dienst der anstehenden Aufgaben zu stellen. Denn Kreativität ist der einzige Weg, die Aufgaben unserer Zeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu bewältigen. Kreativität ist der Ursprung alles Neuen. Kreativität ist die Voraussetzung für neues Denken, für neues Handeln, für jede Form von Innovation. Um gesellschaftliche, soziale, politische und ökologische Themen zu gestalten, zu beeinflussen und zu verändern. Deshalb lautet das Motto des Art Directors Club (ADC): „Change the world with creativity”

Eine passende Arbeit dazu ist von „Laut gegen Nazis“ und der Werbeagentur Jung von Matt Spree: die Idee „Recht gegen Rechts“. Der Hintergrund: Rechtsnationale Gruppen besitzen in Deutschland eine große Einnahmequelle durch Merchandising; sie drucken Naziparolen in Kurzform auf T-Shirts und andere Fan-Artikel. „Laut gegen Nazis“ erwirbt nun die Rechte für die Nazikürzel, damit für jedes verkaufte Teil in Zukunft Abgaben oder Strafen fällig werden. Auf diesem Weg finanzieren die Rechten selbst wieder neue Aktionen gegen Rechts. Und mit jedem Euro können neue Rechte erworben werden.

Kreative können manchmal mit der Kraft ihrer Ideen die Welt also tatsächlich verändern. Lasst uns kreativ sein!