Myriam Karsch gibt als Geschäftsführerin von Kouneli Media die deutsche Ausgabe des Playboy heraus. In ihrem Gastbeitrag für die Turi.Edition.23 beschreibt sie ihre Utopie: In der Zukunft ist eine nackte Brust kein Statement mehr – und Diversity überflüssig.

Foto: Corinna Beckmann, Lesezeit: 2 Minuten

Wenn ich mir etwas wünsche, dann das: Dass es niemanden mehr überrascht, dass ausgerechnet eine Frau ein Magazin herausbringt, in dem andere Frauen sich ausziehen. Weil klar wäre, dass sich Frauen nicht für Männer ausziehen, sondern für sich selbst. Und dass das wiederum nicht heißt, dass sie den männlichen Blick nicht schätzen würden – aber sie zeigen sich aus eigener Stärke, weil sie Lust darauf haben. Weil sie sich selbst schön und interessant finden – und diese Schönheit mit anderen teilen und feiern möchten.

Erst kürzlich sagte die Schauspielerin Gisa Zach: „Die Playboy-Bilder sind mein Ausdruck von: Sei, was und wer du sein willst, und tu, was immer du tun willst. Sie sollen Anstoß sein, sich von Mustern zu befreien, die vorschreiben, was sich angeblich schickt und was nicht.“

»Schönheit ist ein Feuer in einem Menschen, das andere anzieht. Und jedes Feuer ist anders«

Schönheit, Nacktheit, Verletzlichkeit: Das alles ist heute politisch. Sobald jemand nackt ist, geht es um Macht. Selbstermächtigung, Verurteilung, Machtmissbrauch – es hat immer mit Macht zu tun. Ich wünsche mir, dass wir uns davon befreien und in Zukunft alle Körper akzeptieren können – ohne, dass sich einer über den anderen erheben, ohne, dass immer jemand gewinnen muss.

Mein Wunsch richtet sich auch an Frauen: Vermeintliche Feministinnen, die Frauen dafür verurteilen, dass sie sich nackt fotografieren lassen, sind für mich keine Feministinnen. Eine Feministin schreibt anderen Frauen nicht vor, wie sie sich zu verhalten haben – zumindest nicht in unserer demokratisch-westlichen Welt.

Vom Ruf nach Body-Neutralität halte ich nicht viel. Körper sind schön, aber warum sollten sie uns gleichgültig sein? Warum sollten wir die Schönheit nicht feiern dürfen? Der Mensch strebt von Natur aus nach Schönem. Das ist an sich nicht verwerflich. Und wer sagt überhaupt, was schön ist? Ich wünsche mir, dass Schönheit individueller sein darf, weniger stereotyp – ohne dass man krampfhaft versuchen muss, immer alle Diversity-Vorschriften zu berücksichtigen.

In meiner Utopie wäre es gar nicht nötig, Diversity zu fordern, weil sie selbstverständlich wäre. Schönheit ist ein Feuer in einem Menschen, das andere anzieht.

Ich träume davon, dass wir Nacktheit und Schönheit feiern können, ohne dass es ein politisches Statement sein muss. Dafür kämpfe ich. Und bis wir so weit sind, werden wir im Playboy weiterhin wichtige Debatten aufgreifen: Persönlichkeiten wie Transmodel Giuliana Farfalla oder die 66-jährige Désirée Nick porträtieren und diesen Frauen eine Stimme geben.