Mensch spricht mit Maschine – und die wird bald zuhören, verstehen und sogar in die Zukunft sehen können. Davon zeigt sich Stefan Hartung, Chef der Robert Bosch GmbH, in der Turi.Edition.23 überzeugt.

Wenn ich mir die Welt von Morgen backen könnte, würde ich ein großes Stück Freiheit und jede Menge Frieden in die Schüssel geben, natürlich Wohlstand und Technik fürs Leben, eine intakte Umwelt, einen Schuss Klugheit und eine Prise gute Laune. Vor allem aber reichlich Kommunikation. Denn eine gelungene Verständigung ist die Hefe, die jeden Fortschritt und jedes Miteinander überhaupt erst richtig aufgehen lässt. Ohne Austausch blieben wir im eigenen Brei kleben.

Immerhin können wir uns, was die Entwicklung der Kommunikation angeht, bislang nicht beschweren: Seitdem der Mensch vom Baum gestiegen ist, hat sich die Vermittlung von Nachrichten, Gefühlen, Befehlen und Bitten durchgehend verbessert. Aus Geschrei wurde Gesang, auf Rauchzeichen folgte das Radio und der Bildschirm löste die Buschtrommel ab. Manche Inhalte sind über alle Zeiten hinweg allerdings erstaunlich ähnlich geblieben. Schon die ältesten erhaltenen Schriftstücke aus Mesopotamien geben vor allem die Tabellen der städtischen Buchhaltung wieder: Keilschrift und Konzernbericht liegen also enger beieinander, als man zunächst annehmen würde.

»Keilschrift und Konzernbericht liegen also enger beieinander, als man zunächst annehmen würde«

Und noch eines hat sich kaum verändert: von Anfang an war bei jeder Form der Kommunikation (abgesehen von der reinen Stimme oder Geste) Technik im Spiel, ob Papyrus, Funkwellen oder elektrische Signale. Nur dank dieser Hilfsmittel können wir uns über Raum und Zeit hinweg verständigen. Dabei haben wir jedoch immer nur mittels Technik kommuniziert – aber nie wirklich mit der Technik. Hebel, Schalter oder Pedale bedient man, aber gute Zuhörer sind sie nicht.

Das wird nun, 5000 Jahre nach den Tontafeln, endlich anders. Die generative Künstliche Intelligenz wird den Dialog zwischen Mensch und Maschine auf eine neue Ebene heben – und damit auch das nächste Zeitalter der Kommunikation einläuten. KI hat bis vor kurzem vor allem den menschlichen Wahrnehmungsprozess nachgeahmt. Mit neuen Ansätzen aber können wir diesen Prozess heute viel besser mit der physikalischen Welt der Maschinen verbinden. Bei Bosch etwa arbeiten wir daran, unsere Sensoren und Fahrerassistenzsysteme noch stärker mit KI zu verknüpfen. Das Ziel: ein Fahrzeug, das sein Umfeld nicht nur besser „sehen“, sondern sogar – ansatzweise – verstehen kann.

»Irgendwann werden wir uns mit einem Buch ins Auto setzen und mit dem Fahrzeug so reden können, als ob ein Chauffeur am Steuer säße«

Das wird den Weg zum automatisierten Fahren erheblich vorantreiben. Und irgendwann – Träumen ist an dieser Stelle ja ausdrücklich erlaubt – werden wir uns mit einem Buch ins Auto setzen und mit dem Fahrzeug so reden können, als ob ein Chauffeur am Steuer säße: „Bitte auf dem Nachhauseweg noch beim Blumenladen halten und etwas wärmer an den Füßen wäre auch ganz nett.“ Menüs mit 17 Unterebenen werden wir dann ähnlich schnell vergessen wie die Wählscheibe am Telefon.

Das Auto von Morgen wird aber nicht nur mit seinen Passagieren kommunizieren – sondern auch mit der Zukunft. Denn anders als ein Chauffeur weiß es, was hinter der nächsten Kurve kommt. Möglich macht das die Vernetzung ganzer Fahrzeugflotten, wie sie Bosch etwa mit dem „Road Hazard Service“ anbietet. Kritische Straßenbedingungen lassen sich so in Zusammenarbeit mit Wetterdiensten oder Straßenbetreibern präzise vorhersagen. Und die notwendigen Warnungen kommen in Echtzeit an, nicht erst über das Radio. Auch das gehört zur Zukunft der Kommunikation.

Und was für das Fahrzeug gilt, gilt auch für Heizungen oder Fernseher: Die Zeit der daumendicken Bedienungsanleitungen neigt sich ihrem Ende entgegen. Ich freue mich auf eine intelligente Technik, die uns den Alltag erleichtert, das Leben sicherer und komfortabler macht, uns immer mehr lästige Routineaufgaben abnimmt – und die wir kinderleicht eben nicht bedienen, sondern steuern werden. Denn damit bleibt uns mehr Zeit für den wirklich wichtigen Austausch: den mit der Familie und mit allen Menschen, die uns etwas bedeuten.