Fotos: Holger Talinski, Steffen Roth; Lesezeit: 4 Minuten

Made in Ausland: Imelda Labbé macht als VDIK-Präsidentin Lobbyarbeit für Automarken, die nicht aus Deutschland kommen. Dabei kämpft sie nicht nur gegen Zölle – sondern auch um einen Masterplan.

Ihr Verband vertritt die Interessen von 38 Marken aus insgesamt 14 Ländern. Was möchten Sie für die bewegen?
Die internationalen Marken machen die Hälfte des deutschen Automobilmarktes aus. Ich will ihnen eine starke Stimme geben, um die Zukunft der individuellen Mobilität erfolgreich zu gestalten – für die Automobilwirtschaft und vor allem für ihre Kunden.

Wie wird das gelingen?
Wir bewegen gerade die Akteure in Politik, Stromwirtschaft, Infrastruktur, Automobilwirtschaft und Wissenschaft, um gemeinsam die nötigen Rahmenbedingungen für die E-Transformation zu schaffen. Nur mit einem gemeinsamen Masterplan kann der Hochlauf der Elektromobilität gelingen.Dafür bewegen wir die VDIK-Geschäftsstelle an den Berliner Gendarmenmarkt, in die Mitte von Berlin, dorthin, wo Meinung und Politik gemacht werden.

Und was bewegt Sie selbst?
Mich bewegt vor allem die größte Transformation, die die Automobilwirtschaft im letzten Jahrhundert erlebt hat.

Wie verändern die gegenwärtigen Krisen die Kommunikation Ihres Verbandes?
Wir setzen vor allem auf positive Kommunikation in Sachen Elektromobilität. Im Mittelpunkt stehen die Themen Innovation und Kundenorientierung. Treiber sind dabei der freie Zugang zu Märkten sowie offener und fairer Wettbewerb.

»Wir setzen vor allem auf positive Kommunikation in Sachen Elektromobilität«

Vor welchen Herausforderungen steht die mobile Gesellschaft?
Veränderungen beginnen in den Köpfen der Menschen, mit ihren Einstellungen zu neuen Mobilitätslösungen. Damit sich Kunden auf Veränderungen einlassen, braucht es eine positive Grundhaltung und passende Rahmenbedingungen, die sich an den alltäglichen Anforderungen der Nutzer orientieren. Das Auto wird bei der integrierten Vernetzung verschiedener Mobilitätsangebote weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Diese Rolle wollen wir klimaneutral und zukunftsorientiert gestalten.

Ist individuelle Mobilität im eigenen Auto überhaupt noch zeitgemäß?
Die Faszination Auto lebt, das zeigen die großen Besucherzahlen auf den aktuellen Automessen. Aber nicht nur deswegen wird die individuelle Mobilität weiterhin eine zentrale Bedeutung haben. In vielen Regionen außerhalb der großen Städte fehlen alternative Mobilitätsangebote. Aber auch im Zusammenspiel mit anderen Mobilitätsformen wird das eigene Auto eine wichtige Rolle spielen.

Welche offenen Themen gibt es in der Automobilbranche in Deutschland?
Wir brauchen dringend einen ganzheitlichen Plan, um der Transformation zur Elektromobilität mehr Schwung zu geben. Neben der Automobilwirtschaft spielen hier die politischen Akteure in Bund, Ländern und Gemeinden eine zentrale Rolle, ebenso die Bereiche Infrastruktur und Energiewirtschaft. Noch fehlt ein Commitment aller Beteiligten zu einem gemeinsam abgestimmten Ziel für den Hochlauf der Elektromobilität.

Haben Sie eine Lösung für den Konflikt zwischen Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit?
Verbraucher sind nicht bereit, für nachhaltige Mobilität zu bezahlen. Deshalb darf Elektromobilität nicht mehr kosten als konventionelle Mobilität. Hier sind wir auf einem guten Weg, es gibt mittlerweile zahlreiche neue Modelle auch im Einstiegssegment. Für günstige Betriebskosten brauchen wir aber auch niedrigere Preise für nachhaltigen Strom.

»Noch fehlt ein Commitment aller Beteiligten zu einem gemeinsam abgestimmten Ziel für den Hochlauf der Elektromobilität«

Was macht nachhaltige Mobilität sonst noch attraktiver für die Verbraucher?
Innovationen in der Batterietechnologie sorgen zukünftig dafür, dass der Einstieg in die Elektromobilität günstiger wird. Übergangstechnologien wie Plug-in-Hybride können ebenfalls zu mehr klimaneutraler Mobilität beitragen. Um mit Bestandfahrzeugen weiterhin mit gutem Gewissen mobil zu sein, kann auch der Einsatz von E-Fuels einen wichtigen Beitrag leisten. In einem dynamischen Umfeld sollten wir offen bleiben gegenüber neuen Technologien.

Welche Probleme müssen neben dem der mangelnden Nachhaltigkeit noch gelöst werden?
Die Automobilwirtschaft lebt von der Innnovation, dafür sind fairer Wettbewerb und freier Zugang zu Kunden und Märkten zentral. In einer hochdynamischen Industrie behindert jede Form von Abschottung Innovation und Fortschritt. Zölle führen zu zusätzlicher Inflation auf beiden Seiten. Deshalb sind wir gegen Marktbarrieren und für gleiche Regeln für alle.

Was wird in Zukunft in Sachen Mobilität verschwinden?
Die dogmatische Festlegung auf ein bestimmtes, bevorzugtes Verkehrsmittel wird zurückgehen. Durch neue Möglichkeiten und die intelligente Vernetzung zum Beispiel von Mikromobilität, Sharing und automatisiertem Fahren werden wir zukünftig mehr multimodale Mobilitätsformen nutzen. Aber auch hier wird das Auto nach wie vor eine zentrale Rolle spielen. Die Faszination Auto und der zentrale Wunsch nach individueller Freiheit und Selbstbestimmung werden bleiben.

»Das Auto lebt von seiner emotionalen Faszination und dem Freiheitsgefühl, das es wie keine andere Mobilitätsform vermittelt«

Wie verändert sich gerade das Mindset der Konsumenten?
Die Vorbehalte gegenüber Elektromobilität bei den Skeptikern gehen zurück, die Zustimmung steigt. Das zeigen das Kundenfeedback von E-Auto-Fahrern und die aktuell steigenden Neuzulassungszahlen von batterieelektrischen Fahr- zeugen. Die Transformation nimmt an Fahrt auf und erreicht mittlerweile breitere Kundengruppen.

Wie wichtig sind Emotionen im Zusammenhang mit Autos?
Das Auto lebt von seiner emotionalen Faszination und dem Freiheitsgefühl, das es wie keine andere Mobilitätsform vermittelt. In der neuen elektromobilen und softwarebestimmten Welt werden die klassischen Werte wie Design und Fahrerlebnis erweitert durch Lautlosigkeit und Mühelosigkeit. Aber auch durch emotionales Infotainment und Konnektivität.

Letzte Frage: Wo fahren Sie selbst als Nächstes hin?
Ich fahre in den Urlaub, in Richtung Berge und Seen – natürlich mit dem E-Auto.