Foto: Felix Brüggemann; Lesezeit: 3 Minuten

Franziska Fey fördert als Vorstandsvorsitzende der DFL-Stiftung soziale und sportliche Projekte für Kinder und Jugendliche. In ihrem Gastbeitrag für die Turi.Edition.23 erklärt sie, was Demokratie und Fußball gemeinsam haben.

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich unsere Gesellschaft als Team. Als ein richtig gutes. Eines, das über sich hinauswächst, wenn es schwierig wird. Das auf Zusammenspiel setzt und an den gemeinsamen Erfolg glaubt.

Wir als Stiftung kommen aus dem Fußball. Im Sport besteht ein gutes Team aus Individuen mit unterschiedlichen Talenten, die nicht für sich allein kämpfen, sondern zusammen auf ein Ziel hinarbeiten. Das braucht Übung, Vertrauen, Kommunikation und Einsatz. Die Bereitschaft, sich auch mal zurückzunehmen, den Ball abzugeben, um im nächsten Moment wieder nach vorne zu stürmen und Verantwortung zu übernehmen.

Ein gutes Team weiß um seine Stärken und lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, wenn es von Gegnern provoziert oder medial abgeschrieben wird. Ein gutes Team braucht keine Dauerharmonie. Es fordert einander heraus und weiß, was es sich zumuten kann.

»Für den Sport wie für unsere Demokratie gilt: Wer richtig gut sein will, muss trainieren«

Mich bewegt dabei die Frage, wie wir die Potenziale aus dem Sport für unsere Gesellschaft nutzen und als Team erfolgreich sein können. In Stiftungssprache übersetzt: Ich träume von collective impact und radical collaboration für eine bessere Zukunft. Davon, dass wir stärker zusammenwirken und uns fragen, wen wir eigentlich zu oft auf der Ersatzbank sitzen lassen. Etwa die große Gruppe junger Menschen, die im Dauerkrisenmodus aufwächst, sich häufig nicht gehört fühlt und deren Zukunftsvertrauen insgesamt gesunken ist. Fast ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Für Zusammenhalt und eine starke Demokratie bedarf es aber der Teilhabe aller.

In der DFL-Stiftung haben wir dieses Jahr ein Jugendgremium ins Leben gerufen, das inspiriert und begeistert. Jugendliche aus ganz Deutschland, die sich vorher nicht kannten, haben zunächst die Verantwortung übernommen, 250.000 Euro für Projekte zu vergeben, die ihnen wichtig sind. Sie investierten dieses Geld in Initiativen, die ein aktives, gesundes Aufwachsen sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Inzwischen beraten sie uns in unserer Arbeit und eröffnen uns neue Perspektiven.

Für den Sport wie für unsere Demokratie gilt aber auch: Wer richtig gut sein will, muss trainieren. Wir fördern daher bundesweit die politische Bildung Jugendlicher und vermitteln ein Verständnis für Teamgeist, Vielfalt und Respekt – offline und zunehmend online. Auf Plattformen wie TikTok erreichen wir junge Menschen dort, wo sie sind. Dabei setzen wir auf Infotainment gepaart mit klaren Botschaften gegen Hass und für ein solidarisches Miteinander. Ein neues Spielfeld erfordert eine neue Taktik.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die insbesondere junge Menschen unterstützt, ihnen Verantwortung überträgt und sie konsequent an den Themen beteiligt, die ihre Zukunft bestimmen. Also: Schließt mit mir die Augen. Gemeinsam können wir dieses Team sein und den Herausforderungen unserer Zeit mit der Zuversicht des Gelingens begegnen.