Nina Zimmermann ist CEO der Plattform kununu, auf der Menschen ihren Arbeitgeber bewerten können. Sie glaubt: Nicht nur die Arbeitswelt profitiert, wenn wir alle Lust haben, sie zu verändern. Wie das klappen kann.
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„Wir sind die Veränderung, die wir suchen“: Dieses Zitat von Barack Obama ist zeitlos – gerade dann, wenn wir vorausblicken möchten. Zukunft erfordert Gestaltung. Wenn ich mir die Zukunft vorstelle, wünsche ich mir eine Gesellschaft, die keine Angst vor Veränderung hat, sondern Lust auf Neues und all die Chancen, die damit verbunden sind. Neugier ist der entscheidende Antrieb, selbst Veränderung anzutreiben. Im Umkehrschluss teile ich als zweifache Mutter die Sorge vieler Eltern, dass unsere Kinder in einer Welt groß werden, in der Veränderung als Bedrohung begriffen wird.
Wir stehen vor einer tiefgreifenden digitalen Neuordnung unseres Lebens. Die KI-Revolution wird es in einem Maße verändern, das wir noch nicht absehen können. Dadurch steigt der Handlungsdruck, künstliche Intelligenz in ein Regelwerk zu übertragen, das Ethik und Innovation übereinbringt – eine zweifellos schwierige Aufgabe. Davon wird die Arbeitswelt genauso beeinflusst wie von zahlreichen weiteren Megatrends: Gender Shift, Silver Society, Individualisierung, Konnektivität und Mobilität sind nur einige Beispiele.
»Wenn wir nicht mehr Enthusiasmus an den Tag legen, wird uns die mitreißende Geschwindigkeit, die zum Beispiel in Asien gelebt wird, überholen«Die Aussicht auf Veränderung macht vielen Angst. Schon jetzt erkennen wir als Folge daraus, dass überall auf der Welt Konflikte entstehen und demokratische Werte unter Druck geraten. Uns ist die Dialogfähigkeit abhandengekommen. Das geht zu Lasten von Meinungsvielfalt und konstruktivem Austausch. Die Gesellschaft individualisiert sich, ein Miteinander wird schwer.
In einem solchen Umfeld gedeiht Innovation selten – aber eine innovative Arbeitswelt ist Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Veränderung. Denn es ist der Arbeitsort, an dem Menschen zusammenkommen. Im Sinne unserer Generation, aber natürlich auch in der unserer Kinder und deren Kinder gilt das Wort Obamas mehr denn je: „Wir sind die Veränderung, die wir suchen.“
Viele Menschen sind gut darin, Probleme zu benennen – das ist wichtig, um sie zu lösen. Trotzdem braucht die Zukunft Problemlöser*innen als Überzeugungstäter*innen. Überzeugung entsteht nur durch Optimismus. Und dafür brauchen wir eine optimistische und zugewandte Führungskultur – in Gesellschaft und Arbeit. Gerade in Europa können wir es uns nicht mehr leisten, rückwärtsgewandt zu agieren und immer nur das Negative zu suchen. Wenn wir nicht mehr Enthusiasmus an den Tag legen, wird uns die mitreißende Geschwindigkeit, die zum Beispiel in Asien gelebt wird, überholen. Wer nicht dazu lernen möchte, dem kann nicht ganz zu Unrecht Arroganz unterstellt werden – und die sollten wir uns auf keinen Fall vorwerfen lassen.
Gerade am Arbeitsplatz merken wir, dass eine empathische, emotionale und positiv psychologische Herangehensweise direkt zu mehr Innovation und dadurch zu Wachstum führt. Gerade in Europa müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht durch zu viel Reglementierung und Bürokratie selbst die emotionale Intelligenz abschnüren und so den Anschluss an Unternehmen auf anderen Kontinenten verlieren, die dort schneller und agiler handeln.
Neben dieser Zugewandtheit muss die Welt der Zukunft einen Weg finden, in der die Balance zwischen digitalem Know-How und Kreativität stimmt. Wir brauchen ein Umfeld, in dem junge Menschen mit der Entwicklung neuer Technologien Schritt halten können. Gleichzeitig müssen sie aber auch außerhalb digitaler Welten ihre ganz eigene Kreativität ausleben dürfen, die nicht von Algorithmen oder Suchergebnissen, sondern von Spaß und vielleicht auch Albernheit getragen wird.
Denn nur aus diesem Geist entsteht letztlich Innovationskraft – denn Innovation will ja Neues schaffen. Das schafft die retrospektive KI (noch) nicht. Für diesen schwierigen Spagat zwischen digitaler und analoger Welt brauchen wir eine optimistische Haltung im Umgang miteinander – eine, die den Dialog fördert. Gelingt das, ist mir um die Zukunft nicht bange.