Dank neuer Technologie zu einer besseren Medienwelt: Darauf hofft Stefan Sutor, Geschäftsführer der Medien.Bayern GmbH. Wie das gelingen kann, hat er in der Turi.Edition #23 beschrieben.

Ich glaube, wir können uns gar nicht vorstellen, wie die Welt schon in zehn Jahren aussehen wird. Meine Vision ist es, das Verhältnis von Medien und Technologie neu zu justieren, um eine Medienlandschaft zu schaffen, in der sich durch Technologie unabhängige Angebote behaupten können.

Der Blick zurück zeigt, wie sehr Technologie die Medienwelt schon immer verändert hat. Kabel, Satellit, die Nutzung eines erweiterten Frequenzbereichs im UKW Band – das waren die neuen technischen Errungenschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es war eine kleine Medienrevolution – auch für mich. Auf einmal gab es hunderte von TV-Kanälen und unzählige neue lokale und regionale Rundfunkangebote. Es entstanden tausende neue Arbeitsplätze. Ich selbst durfte damals die Entwicklung als Hörfunk-Referent bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien begleiten. In meiner Wahrnehmung konnten Politik und Regulierung diese neuen Medienwelten noch gestalten und austarieren. Das hat meine Überzeugung gefestigt, dass es durch Technologie und die richtigen Rahmenbedingungen möglich ist, eine vielfältigere Medienlandschaft zu schaffen.

 „Ich glaube an eine Medienlandschaft, in der durch Technologie Raum für unabhängige und regionale Angebote geschaffen wird“

Ab den 1990er Jahren stellte das Internet die Medienwelt erneut auf den Kopf: Der Zugang zum gesamten Wissen der Welt war ein unglaubliches Versprechen für die Nutzer und für Medienunternehmen die Riesenchance, mit neuen Diensten und Angeboten die Welt zu erobern – meist auf den Plattformen der großen Infrastrukturanbieter. Die Ernüchterung heute: Viele journalistischen Medienangebote haben keine funktionierenden Erlösmodelle für die digitale Welt. Gleichzeitig ist das Netz ein Ort, an dem sich alle, auch dank KI, artikulieren können. Journalistisch informierende Medieninhalte – nicht nur auf lokaler und regionaler Ebene – werden zwangsläufig immer weniger. Die Folgen für Gesellschaft und Demokratie sind absehbar.

Umso mehr bin ich davon überzeugt, dass für die künftige Medienlandschaft das Verhältnis zwischen Medien und den dominierenden Technologie-Plattformen neu definiert werden muss. Gleichzeitig müssen sich die Medienangebote selbst mit KI neu erfinden. Ich glaube an eine Medienlandschaft, in der durch Technologie Raum für unabhängige und regionale Angebote geschaffen wird.

Dafür müssen journalistische Medieninhalte in der digitalen Welt gesicherte Erlöse erzielen und die Inhalte vor allem zu den Nutzenden gelangen. In einer KI-basierten Medieninfrastruktur muss der Umgang mit journalistischen Inhalten daher neu justiert werden: Suchergebnisse, Plattform-Algorithmen oder KI-generierte Antworten sollten meiner Meinung nach „by default“ – automatisch und standardmäßig – einen verlässlichen Anteil journalistischer Medieninhalte enthalten: Sozusagen Journalismus durch „System-Voreinstellung“! Wie ist das erreichbar? Indem die Gesellschaft ein solches System einfordert. Wir müssen selbst bestimmen, welche Nachrichten wir gezeigt bekommen und was wir lesen wollen – gerade im KI-Zeitalter.