Kein Entkommen: Bascha Mika, ehemalige Chefredakteurin von "taz" und "Frankfurter Rundschau", malt sich in ihrem Gastbeitrag für die Turi.Edition.23 aus, was Männern blühen könnte, die Frauen und Minderheiten weiter unterdrücken.
Niemand achtete auf die Tauben. Vögel wurden nicht überwacht. Eine kleine Schar hatte sich unbemerkt auf dem Dach des Präsidentenpalastes niedergelassen, entledigte sich ihres Tarngefieders und drang geschickt in das Gebäude ein.
Der Präsident war dort, wohin ihn niemand begleitete. Irritiert schaute er auf die Handvoll kleiner Roboter, die ihn umzingelte. „Verdammt, was wollt ihr R2-D2-Komiker denn hier...“ Er wollte fluchen, kam aber nicht mehr dazu. Sanft und schnell verschnürten ihn die Maschinchen zu einem handlichen Paket. Kurz bevor die Betäubungsspritze zu wirken begann, hörte er ein Flüstern im Ohr: „Your body, our choice.“
Zehn Jahre lag die Wiederwahl von Donald Trump nun zurück. Angestachelt von seiner Propaganda hatte eine Welle von Hass und Gewalt die westlichen Länder überrollt. Opfer waren Mädchen, Frauen und die queere Community. Die Rechte von Frauen und Minderheiten wurden systematisch vernichtet. Autokratische und despotische Regime bedankten sich für die Unterstützung ihrer Misogynie.
Was ein rechtsextremistischer Influencer nach Trumps Sieg gepostet hatte – „Your body, my choice!“ – avancierte weltweit zum Schlachtruf einer brutalisierten Männerherrschaft. Höhnisch wurde er jeder Frau entgegengeschleudert, die geprügelt, vergewaltigt, getötet wurde.
Das Frauennetzwerk aufzubauen, war zwingend. Bei internationalen Konferenzen hatten IT-Expertinnen einen Pakt geschlossen, einen Plan entwickelt und eine Erklärung verfasst. Die kursierte seitdem im feministischen Darknet: „Manifest der Gesellschaft zur Rettung der Männer“. Aktivistinnen aus allen Teilen der Welt hatten sich angeschlossen. Angst vor Verrat hatte niemand, keine Frau wurde mehr ernst genommen.
"Hatten sie allen Ernstes geglaubt, Frauen beherrschen zu können? Was für eine dumme, dumme Idee"Die Mission: Alle, die für Unterdrückung und Frauenhass standen, aus ihren politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spitzenämtern zu entfernen und durch feministische Akteurinnen ersetzen. Die Losung: „Your body, our choice!“
Inzwischen war ein Flugobjekt, das nicht vom Radar erfasst wurde, auf dem Dach des Präsidentenpalastes gelandet und nahm das Paket in Empfang. Im Palast saß nun ein Humanoide in Gestalt des ehemaligen Präsidenten. Er war darauf programmiert, die Regierungsarbeit systematisch umzubauen und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung umzusetzen, die die UN 2015 beschlossen hatte. Die Rechte von Frauen und Minderheiten waren dabei zentral. Sobald männliches Dominanzstreben im Bewusstsein der Bevölkerung zu etwas Lächerlichem wurde, würde der Humanoide verschwinden.
Viele Stunden und tausende Kilometer später wurde das Paket über einer Insel abgeworfen. Dort befand sich bereits eine erkleckliche Anzahl zwangsverschickter, testosterongeschädigter Schurken; Schurkinnen fehlten, aber einige würden sicher noch dazukommen. Jenseits ihrer Entmachtung war den Entführten nichts geschehen, doch auf der Insel gab es nur sie und von dort kein Entkommen. Die Hölle, das waren die anderen. Hatten sie allen Ernstes geglaubt, Frauen beherrschen zu können? Was für eine dumme, dumme Idee.