Meinungsfreiheit ohne Monopol: Journalist und Podcaster Hans-Jürgen Jakobs sehnt das Ende der Herrschaft der Big Five des Internet herbei. Wie er Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft entmachten will.

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Es vergeht kein Tag, ohne dass die Macht weniger großer Internetkonzerne eine Rolle spielt. Immer wieder beschäftigen ihre Monopole Gerichte, Politiker und NGOs. Es ist offensichtlich, wie weit das aus Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft bestehende Quintett spätkapitalistischer Herrschaftsausübung gekommen ist.

In einem schönen Traum würde sich für solchen Monopolismus eine „Weltinnenpolitik ohne Weltregierung“ interessieren, wie sie der Philosoph Jürgen Habermas vor vielen Jahren vorgeschlagen hat. Sie würde alle nationalen Regierungen – wie etwa derzeit in den USA oder auch in der Bundesrepublik – bestätigen, ermutigen und anleiten, die in wenigen Dekaden entstandenen krakenhaften Gebilde zu entflechten und aufzulösen. Im Bewusstsein, dass Kapitalismus ohne Wettbewerb undenkbar ist, dass ein Unternehmen nie der ganze Markt sein darf, und dass gerade Medien und Kommunikation Vielfalt benötigen – keinesfalls überdimensionierte „Machtkörper“, vor denen der Ökonom Walter Eucken in der Gründerzeit der Bundesrepublik zu Recht immer wieder gewarnt hat. Eine solche Weltinnenpolitik beträfe alle fünf Giganten, da ihr Geschäftsmodell unisono daraus besteht, aus einem Monopol mehrere zu machen, die Übermacht also zu potenzieren.

»Meinungsfreiheit darf kein Privileg von 20 superreichen Menschen sein, die glauben, sie hätten den Code für die Zukunft gefunden«

In der besten aller Traumwelten bekämen Firmen wie Instagram und WhatsApp, YouTube, Amazon oder LinkedIn neue Eigentümer. Ein internationales Tribunal könnte überall über jene Missbrauchshandlungen und Alltagsfolgen diskutieren, die in etlichen Büchern und Prozessunter lagen beschrieben worden sind. In jenem Ausmaß, in dem Gestalten wie Elon Musk oder Peter Thiel Einfluss auf die Politik nehmen, müssten sich auch Philosophen, Schriftsteller und Wissenschaftler mit dem Silicon Valley beschäftigen. Meinungsfreiheit darf kein Privileg von 20 superreichen Menschen sein, die glauben, sie hätten den Code für die Zukunft gefunden.

Es ist leicht eine Liga der Geschädigten vorstellbar, deren Mitglieder sich über Monopolpraktiken unterhalten, die ganze Länder in amerikanisch beherrschte Datenkolonien verwandelt haben. Zur Erbauung empfehlen sich die Geschädigten Literatur wie das Buch „Big Tech muss weg“ des deutschen Wissenschaftlers Martin Andree. Und natürlich müsste sich eine deutschlandweite Boykottbewegung anschließen: Nicht nur der FC St. Pauli, sondern auch der FC Bayern München oder Robert Habeck würden jenes Radikalisierungsmedium X verlassen, das einmal Twitter war. Und die Menschen würden wieder im Laden mit anderen Menschen reden, statt bei Amazon zu bestellen. Die digitale Welt ist nie alternativlos. Um Souveränität muss man sich allerdings bemühen.

Natürlich: Der Traum ist noch ein Traum. Aber bis er Realität ist, unterhalte ich mich gerne mit allen, die Wirtschaft lebendig und dezentral produktiv halten – unter anderem im Podcast „Schlaflose Nächte“ des Gründerzentrums UnternehmerTUM. So wie Siemens im 19. Jahrhundert ein Startup war, brauchen wir jetzt Startups, aus denen einmal so etwas wie Siemens wird. Über den Podcast-Kopfhörer erklingt eine ferne Stimme: „Aber das, mein Freund, ist ein anderer Traum.“