Der Chefredakteur des Sportmagazins Kicker (bis 2025) teilt in der Turi.Edition #23 seinen Traum rund um Mitglieder, die über Investoren mitbestimmen, Reformen auf dem Transfermarkt und stimmungsvolle Stadien frei von Pyrotechnik.

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Endlich wieder Bundesliga! Das Topspiel am Eröffnungswochenende der Saison 2030/31: Meister Mönchengladbach gegen Vorjahresmeister Frankfurt. Schön, dass nicht mehr immer dieselben die Schale holen! Das tut dem Sport gut. Viel hat sich verändert in den jüngsten Jahren, im Kern ist das Spiel jedoch dasselbe geblieben. Die Faszination Fußball ist ungebrochen. Das war das Ziel aller Bestrebungen im Klubfußball seit dem Gewinn des WM-Titels 2026. Heute, zwei Monate nach der Niederlage im Elfmeterschießen gegen England im World-Cup-Finale 2030, zählt die Bundesliga weiter zu den weltweit attraktivsten Sport-Ligen überhaupt. Weil sie mit der Zeit gegangen ist, auf ihrem speziellen Weg.

Die Vereine, und damit ihre Mitglieder, entscheiden jetzt selbst, ob und wie sie Investoren einbinden. Den detaillierten Rahmen gibt eine kluge, präzise, strenge Regulierung vor. Schluss mit Ausnahmen, Schleichwegen und der Heuchelei über Tradition, Kultur und Geschäft! Dies stellt neben den Kontrollgremien für die 1. und 2. Liga zusätzlich eine unabhängige Aufsicht sicher, die so breit aufgestellt ist wie die 2020 gegründete „Taskforce Zukunft Profifußball“ der DFL. Zugute kommen den Klubs die Reformen auf dem Transfermarkt, die weltweit greifen und die sogar Experten – bis auf mich natürlich – noch vor fünf Jahren selbst im Traum nicht für möglich gehalten hätten: Das Transferfenster schließt in Europa gleichzeitig, vor dem Saisonbeginn im Sommer. Eine Gehaltsobergrenze für die Aufgebote der einzelnen Klubs ist Teil verbesserter Financial-Fairplay-Regeln. Die sind leichter umsetzbar als früher, weil Verstöße endlich konsequent sanktioniert werden – auch wenn es um Big Player aus der Elite geht.

National profitiert die Bundesliga von weiteren, eigenen Maßnahmen: Weil sie für Fans aus dem Umkreis von 150 Kilometern, insbesondere die jüngeren, immer ein vergünstigtes Kontingent von bis zu 20.000 Karten bereithält, sind die Arenen komplett und stimmungsvoll ausgelastet. Aber nicht nur damit werden die Bundesliga-Klubs ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und Verantwortung in der Region gerecht. Sie agieren „glocal“, denken zwar global, handeln aber immer auch lokal. Das Erlebnis Fußball zieht die neuen wie die künftigen Generationen von Fans in stimmungsvolle Stadien frei von Pyrotechnik. Dort stehen das Spiel und die Ereignisse auf dem Feld für mindestens 90 Minuten absolut im Mittelpunkt – in der Kurve wie auf der Haupttribüne. Das lässt sich auch im Ausland fein vermarkten. Wie jetzt der Kick der Borussen gegen Frankfurt.

Anpfiff! Es ist laut geworden. Ich muss wohl vor der Live-Übertragung des Liverpool-Spiels über dem iPad eingenickt sein. Aber: Ein schöner Traum ist es gewesen.