Weil Lamentieren lähmt: Kerstin Wenig, Chefredakteurin der deutschen Ausgabe der „Vogue“, wirbt in der Turi.Edition.23 für optimistischen Aktivismus.
Kürzlich hörte ich einen Podcast mit der Trendforscherin Florence Gaub. Sie sagte sinngemäß: Je mehr man macht, desto optimistischer wird man. Das geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Doch leider ist Machen sehr selten geworden. Eher regiert das Wegducken, das Aussitzen. Dabei würde uns Optimismus gut tun, gerade in unserer Branche. Ich versuche deswegen, diese Haltung in den Inhalten von „Vogue“ und auch im Team zu platzieren. Machen statt meckern. Den eigenen Spielraum ausnutzen.
Statt ewig über den schnellen Wandel und KI zu lamentieren, könnte man sich auch mal über die Möglichkeiten der Digitalisierung freuen, oder sich auf die nicht durch Technik zu ersetzende menschliche Empathie und Kreativität fokussieren. Statt über junge Menschen zu schimpfen, die angeblich alle nicht mehr arbeiten wollen, könnte man sich von ihnen inspirieren lassen, die mentale Gesundheit wichtiger zu nehmen und sich nicht ins Burnout zu schuften. Ja, man kann sich aktuell über vieles aufregen, zurecht. Aber nein, das bringt uns nicht voran, weder in der Medienbranche, noch sonstwo. Im Gegenteil: Unproduktives Meckern lähmt.
„Ja, man kann sich aktuell über vieles aufregen, zurecht. Aber nein, das bringt uns nicht voran, weder in der Medienbranche, noch sonstwo. Im Gegenteil: Unproduktives Meckern lähmt“Was wir jetzt brauchen, ist ein optimistischer Aktivismus. Wie wäre also: mehr Ausprobieren, mehr Vernetzung, mehr Verantwortung für junge Leute, mehr Austausch mit den Alten, mehr Enthusiasmus, mehr Ideen, mehr Progressivität, mehr Positivität, mehr Rausgehen, mehr Zuhören, mehr Ärmel-Hochkrempeln.
Etwas beeinflussen zu können, auch im Kleinen, stimmt nicht nur positiv. Es kann auch große Auswirkungen haben. In der „Vogue“ zitiert Zukunftsforscher Tristan Horx eine Theorie, die besagt, dass schon etwa 3,5 Prozent einer Gesellschaft durch ihren positiven Einfluss neue Normen schaffen können.
Ich glaube, genau jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür, einfach mal zu machen.