Mr. Media erträumt eine Welt ohne fehlgeleitete Werbeinvestitionen, Streuverluste und Emissionen.
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Wir schreiben das Jahr 2032. Werbung nervt nicht mehr. Es war ein langer Weg. Seit Aufkommen der Onlinewerbung stieg die Zahl der Werbebotschaften, mit der jeder Mensch jeden Tag konfrontiert wird, von 3.000 auf über 10.000. Es reichte den Leuten. Als 2024 berichtet wurde, dass die Werbung mitsamt ihrer digitalen Infrastruktur für vier Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich ist, wurden Rufe nach Werbeverboten laut. Einem Krankenhaus würde man den Saft niemals abstellen, der Werbung liebend gerne.
Die Gesellschaft diskutierte über die Einschränkung von Social-Media-Plattformen, die die Gesundheit Jugendlicher gefährdeten und Sucht und Depressionen auslösten. Zu Verboten tendierte man, als klar wurde, dass diese Plattformen ausschließlich erfunden wurden, um Werbung zu transportieren. Nein, Werbung hatte kein Recht, derartigen Schaden anzurichten.
Die Werber gingen in Deckung. Vorbei die Zeiten, als man beim Flirt damit angab, in der Werbung zu arbeiten. Es musste etwas geschehen. Die Kreativen und Mediaplaner, die ihre Arbeit liebten, mussten die Werbung neu erfinden.
Das Wunder geschah 2028 am Max-Planck-Institut für multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen. Es gelang, Botschaften an menschliche Gehirne zu senden, die zuvor Zugang zu ausgewählten Informationen erteilt hatten.
Die Menschen empfangen seitdem nur Werbebotschaften, für die sie Interesse haben, Gefühle empfinden oder die sie ausdrücklich erbeten haben. Den Relevanz-Pegel stellt dabei das eigene Gehirn ein. Es ist wie eine Internet-Suche mithilfe von Wünschen und Träumen – ohne Google und Social Media. Es funktioniert ohne Umwege und Transportmechanismen, ohne Medien. Der Absender der Botschaft wird direkt mit den Gehirnen empfangsbereiter Menschen verbunden.
Ein Geniestreich: Die biologisch-neurowissenschaftliche Übertragung kommerzieller Angebote kostet weder fossile Energie noch umweltbelastende, mediale Infrastruktur. Es funktioniert wie Gedankenübertragung. Im Vorfeld der Media-Arbeit braucht es lediglich Insight-Generatoren. Sie scannen die Wünsche und Bedürfnisse der Mitmenschen – selbstredend solche, die zuvor permitted wurden.
Seither sparen wir jedes Jahr 25 Milliarden Euro an Werbeinvestitionen, jede Menge Streuverluste, wertvolle Energie und unseren Vier-Prozent-Anteil an der weltweiten Emission – und obendrein die tägliche Kritik an unserer nervtötenden Arbeit. Niemand ist genervt, alle sind glücklich. Und die Zukunft kann kommen.