Öfter mal den Kollegen KI übernehmen lassen – für Birgit Priemer, Chefredakteurin von Auto, Motor und Sport, ist das nicht nur im Straßenverkehr eine Option. Warum, erklärt sie in der Turi.Edition.23.

Foto: Hans-Dieter Seufert, Lesezeit: 3 Minuten

Ist es die kahlköpfige Puppe neben mir, die – rein symbolisch betrachtet – meinen Traum einer nahtlos aufeinander abgestimmten Mobilitätskette erfüllen wird? Hilft dieser humanoide Roboter namens Kim als Vertreter künstlicher Intelligenz, dem nahe zu kommen, was wir uns schon vor zehn Jahren erhofft hatten: Unser Ziel zu erreichen, ohne im Stau oder in der Schlange zu stehen, weil alles miteinander vernetzt ist und der Verkehrsfluss automatisch gesteuert wird? Umweltfreundlich noch dazu?

Kim kommt aus Japan. Dort, wo der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks durch die Lande prescht. Mobilität funktioniert im Land des Roboters besser als bei uns.

»KI inspiriert mich als Journalistin und Mobilitäts-Expertin. Wenn ich dem Roboter Kim in die Augen schaue, dann sehe ich einen Freund«

Kim ist ein Forschungsprojekt der Hochschule der Medien in Stuttgart. Mit Hilfe der Roboter soll ausgelotet werden, welche neuen Wege bei der multimodalen Mensch-Maschine-Aktion eingeschlagen werden können. KI kann soziale Gerechtigkeit stärken, weil viele Dinge, so auch Autos oder Fahrräder, günstiger produziert werden können. KI kann aber auch Arbeitsplätze nehmen. Ausgerechnet jetzt, wo in der Automobilindustrie so viel auf dem Spiel steht.

Kim und Co können aber auch Leben retten: Etwa 1,3 Millionen Menschen kommen pro Jahr weltweit bei Verkehrsunfällen ums Leben. So viele wie bei sechs Flugzeugabstürzen eines Airbus 380 – pro Tag. In 95 Prozent aller Unfälle ist der Grund menschliches Versagen. Wenn wir also der KI das Steuer überlassen, dann sind wir sicherer unterwegs. Die schon lange angestrebte Vision Zero, also null Verkehrstote, erreichen wir nur mit KI.

MOIA, der Sammeltaxi-Dienst von VW, hat in Hamburg schon zehn Millionen Fahrgäste befördert. Am Steuer? Heute noch ein Busfahrer. Künftig Kollege Roboter. KI und Mensch bilden dann ein Ökosystem und kreieren ein neues Geschäftsmodell. Darin liegt für die kriselnde Autoindustrie eine riesige Chance. In Oslo sollen bis 2030 rund 30 000 selbstfahrende Shuttle-Dienste unterwegs sein.

120 Milliarden Euro sind bislang weltweit in die Entwicklung selbstfahrender Autos geflossen. KI macht dieses Projekt erst lebendig. Und lässt dabei Menschen am Leben. Bleibt dann klassischer Fahrspaß für Piloten eines sportlichen Autos auf der Strecke? Möglicherweise – auf der Rennstrecke. Fahrspaß bedeutet aber auch ein Leben ohne Stau. KI verhindert künftig Verkehrschaos.

KI inspiriert mich als Journalistin und Mobilitäts-Expertin. Wenn ich Kim in die Augen schaue, dann sehe ich einen Freund. Einer, der meine Arbeit erleichtert und alles rund um meine eigene Customer Journey maßschneidert. KI hilft mir, mich viel direkter auf Leser und User einzustellen, mit ihnen zu interagieren und proaktiv festzustellen, welche Inhalte relevant sind. Zeitraubende Alltagsroutinen fallen weg.

Als Journalisten setzen wir KI künftig kreativ ein. Dass mein Kollege Michael Schmidt als Formel 1-Experte mittels KI nun Mandarin spricht, wenn er an einem Rennwochenende durch die Boxengasse läuft, ist nur ein Aspekt. KI-Inhalte werden das Netz fluten. Starke Marken bekommen dadurch mehr Trust. Dazu zählt Auto, Motor und Sport. Unsere Inhalte können wir personalisierter ausspielen. Wir bleiben beim exzellenten Journalismus und berichten auch über den Einfluss von KI in der Mobilitätsszene. Und Kollege Roboter hilft mit.