In Zug oder Auto, bei Wind und Wetter, rund um die Uhr: Menschen wie diese drei sorgen im Alltag dafür, dass es weitergeht. Die Reise, die Fahrt – und manchmal: das Leben. Ein Pannenhelfer, eine Zugchefin und eine Notfallsanitäterin erzählen von ihren wichtigen Jobs.

Fotos: Holger Talinski, Johannes Arlt, Gaby Gerster, Lesezeit: 3 Minuten

Marko Lachmann, Straßenwachtfahrer, ADAC Hamburg

„Ich bin seit zehn Jahren Pannenhelfer beim ADAC. Zusätzlich schule ich noch andere Mitarbeiter. In einer Acht-Stunden-Schicht fallen meistens zwischen zwölf und 14 Pannen an – Zeit zum Däumchendrehen ist also nur selten. Abgesehen von liegengebliebenen Autos kümmern wir uns mittlerweile auch um Fahrräder: Da ist der Klassiker ein platter Reifen. Ich hatte aber auch einmal einen Fall, bei dem der Anrufer meinte, sein E-Bike-Antrieb würde nicht mehr funktionieren. Vor Ort habe ich dann festgestellt, dass der Akku einfach nur ausgeschaltet war. Das war also schnell behoben.

Um meinen Job zu machen, braucht man eine KFZ-Ausbildung und definitiv ein paar McGyver-Fähigkeiten. Gleichzeitig ist man im Moment einer Panne vor Ort auch ein bisschen Seelsorger für die Menschen. Viele sind wirklich verzweifelt oder weinen sogar – oft, weil sie auf ihr Auto angewiesen sind. Für viele Leute hängt ihre Existenz am Fahrzeug. Deshalb finde ich es toll, wenn ich direkt helfen und das Problem lösen kann. Einer vierköpfigen Familie habe ich neulich den Dänemark-Urlaub gerettet, indem ich rechtzeitig ein passendes Ersatzteil besorgt und eingebaut habe. Solche Momente machen mir Freude.“

Jessica Grimm, Zugchefin, Deutsche Bahn

„Ich bin seit zwei Jahren Zugchefin bei der Deutschen Bahn. Ich kümmere mich um das Management an Bord. Das bedeutet unter anderem, dass ich die Sicherheitsvorkehrungen überprüfe, Ansagen spreche und Kolleginnen und Kollegen für die Arbeit im Team einteile. Es ist wichtig, dass wir gut harmonieren, damit die Arbeitsabläufe reibungslos funktionieren. Gleichzeitig kümmere ich mich um die Reisenden, was schon mal bedeutet, bei einem Ausfall der Klimaanlage Eis und Wasser auszugeben. Am schönsten finde ich es, wenn sich die Gäste beim Aussteigen für die gute Fahrt bedanken – das kommt relativ oft vor.

Es gibt auch immer wieder Momente, die mir Freude bereiten. Einmal schnurrte eine Katze am Dienstabteil vorbei, ein anderes Mal plapperte ein Papagei an Bord. Und dann war da noch eine etwa 60-jährige Dame, die von Kopf bis Fuß in Bahn-Fanartikel gehüllt war. Sie trug sogar Deutsche-Bahn-Socken. Sie hatte Geburtstag und ihre mitreisende Freundin konnte ihr per Durchsage gratulieren. Das ganze Abteil hat applaudiert. Und selbst wenn ein Fahrgast mal etwas spezieller ist: Wir finden immer eine zufriedenstellende Lösung – etwa, wenn es um die Sitzplatzreservierung geht.“

Nicoletta Tiby, Notfallsanitäterin, DRK Wiesbaden

„Wenn ich Frühdienst habe, beginnt eine Schicht um 6 Uhr 53. Wir sind in der Regel aber immer schon eine halbe Stunde vorher da, damit der Besatzungswechsel reibungslos läuft: Das Fahrzeug und sein Tankstand müssen überprüft, Schlüssel und Diensthandy übergeben und die an Bord befindlichen Medizinprodukte und Rucksäcke gecheckt werden. Je nach Schicht habe ich vier bis fünf Einsätze pro Tag. Im Sommer gibt es öfter die Klassiker Wespen- oder Sonnenstich, im Winter werden wir häufiger wegen Atemwegserkrankungen gerufen.

Jüngere Leute rufen im Vergleich schneller den Notdienst. Die ältere Generation versucht manchmal, sich mit Hausmittelchen zu kurieren. Besonders kritisch ist das natürlich, wenn jemand etwa eine Schlaganfallsymptomatik nicht erkennt und uns dann erst Tage später kontaktiert. Ehrlich gesagt sehe ich mich selbst nicht als Heldin. Ich mache einfach meinen Job und versuche, für andere da zu sein, wenn sie mich brauchen. Trotzdem bin ich manchmal stolz, wenn ich merke, dass mein Einsatz etwas bewirkt hat. Jeder der anruft, hat ja den Eindruck, dass er sich in einer Notlage befindet. Und manchmal hilft man auch, wenn man den Menschen sagt: ‚Es ist gar nicht so schlimm‘. Dann gehe ich mit einem echt guten Gefühl nach Hause.“