Der Vater des Automobils: Carl Benz’ Motorwagen sorgt erst für Spott, dann für einen Hype, der die Welt bewegt. Seine Frau Bertha wird zur Heldin der ersten Fernfahrt und macht das Automobil alltagstauglich.
Collage: Uwe C. Beyer; Lesezeit: 3 Minuten
Carl Friedrich Benz startet nicht gerade von der Pole Position ins Leben. Als unehelicher Sohn einer evangelischen Dienstmagd und eines katholischen Lokomotivführers hat er bei seiner Geburt am 25. November 1844 keine idealen Voraussetzungen. Seine Eltern heiraten zwar ein knappes Jahr nach seiner Geburt; wieder ein Jahr darauf stirbt allerdings sein Vater – Carl Benz ist noch nicht einmal zwei Jahre alt. Die wenigsten seiner Zeitgenossen hätten damals darauf gewettet, dass nach Benz heute ein Fußballstadion, ein Gymnasium, ein Freibad, Straßen, Plätze und sogar ein Gebirgspass in der Antarktis benannt sind. Geschweige denn, dass er als Erfinder des ersten Automobils in die Geschichte eingehen und die Mobilität für immer verändern würde.
Seine Jugend ist geprägt von Geldsorgen: Carl Benz besucht zwar das naturwissenschaftlich orientierte Karlsruher Lyzeum; möglich ist das aber nur, weil seine Mutter Studenten des Polytechnikums gegen Geld Kost und Logie gewährt. Schon als Junge kommt Benz deshalb mit anderen Tüftlern und angehenden Maschinenbauern zusammen und beschließt: Das ist auch der Weg, den er selbst gehen will. Mit 15 besteht er die Aufnahmeprüfung an der Ingenieursschule und studiert dort vier Jahre lang. Im Alter von 19 verlässt er die Anstalt und findet Arbeit als Schlosser. Sechs Jahre später tritt seine große Liebe und bedingungsloseste Unterstützerin in Benz‘ Leben: Bei einem Ausflug des Geselligkeitsvereins „Eintracht“ lernt der junge Ingenieur Bertha Ringer kennen. Er schwärmt für Technik, beide bald füreinander – und Bertha ist so von seinem Talent überzeugt, dass sie ihm noch vor der Hochzeit 1872 Geld für sein erstes, eigenes Unternehmen gibt: Die „Eisengießerei und mechanische Werkstätte“, später „Fabrik für Maschinen zur Blechbearbeitung“ genannt.
Doch aller Anfang ist schwer, das merkt bald auch Carl Benz. Seine Vision von einem „pferdelosen Wagen“ teilt außer ihm zeitweise nur seine Ehefrau. 1878 entwickelt Benz seinen ersten verdichtungslosen Zweitaktmotor; die Entwicklung frisst aber so viel Geld, dass seine Hausbank darauf besteht, sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln: Die „Gasmotorenfabrik in Mannheim A.G.“ ist geboren. Der Aufsichtsrat hat immer etwas zu meckern und versteht partout nicht, warum Benz so versessen darauf ist, Pferde arbeitslos zu machen – nur Bertha wickelt mit ihm gemeinsam weiter Induktionsspulen aus Draht für den Zündungsmechanismus. In seinen Memoiren wird Carl Benz später schreiben: „Nur ein Mensch harrte in diesen Tagen, wo es dem Untergange entgegen ging, neben mir im Lebensschifflein aus. Das war meine Frau.“ 1883 hat Benz trotzdem die Nase voll, verlässt das Unternehmen und gründet stattdessen die „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik“ in Mannheim.
Das Geschäft wird ein Erfolg: Benz‘ Gasmotoren kommen zunächst als Stationärmotoren zum Einsatz, werfen aber soviel Gewinn ab, dass endlich Spielraum für die Entwicklung eines Automobils bleibt. 1885 baut er den Benz-Patent Motorwagen Nr. 1, ein dreirädriges Gefährt, das stolze 16 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht. Der 29. Januar 1886 geht in die Industriegeschichte ein, als Carl Benz das Fahrzeug unter der Nummer 37435 zum Patent anmeldet.
Allein, die Öffentlichkeit ist skeptisch. Der „Generalanzeiger der Stadt Mannheim“ urteilt zwar, dass das „Fuhrwerk das billigste Beförderungsmittel für Geschäftsreisende, eventuell auch Touristen werden wird.“ Die meisten Zeitgenossen spotten aber eher über den „Wagen ohne Pferde“. Carl Benz lässt sich nicht beirren und verbessert seine Erfindung ständig; der Durchbruch kommt aber erst, als Frau Bertha 1888 mit dem Patent-Wagen Nr. 3 die erste automobile Fernfahrt der Geschichte bestreitet. Im selben Jahr stellt Carl Benz sein Auto auf der Münchner Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung vor und sorgt so für internationales Interesse. Ein Jahr später stehen neue Benz-Modelle auf der Pariser Weltausstellung und Frankreich erweist sich als der erste dankbare Absatzmarkt: Grund ist dessen damals – im europäischen Vergleich – bestes Straßennetz.
Es folgt ein Patentstreit mit Daimler bezüglich der Glührorhzündung, den Benz verliert und den er so krummnimmt, dass er zeitlebens kein Wort mit Gottlieb Daimler wechselt. Dem Erfolg seines Unternehmens tut dies keinen Abbruch: Um 1900 ist die Benz & Cie. AG die größte Automobilfabrik der Welt, die mehr als 600 verschiedene Konstruktionen im Programm hat – vom Standard- bis zum frühen Sportwagen. Sogar die Vereinigung seines eigenen Unternehmens mit der Daimler-Motoren-Gesellschaft 1926 erlebt Carl Benz noch: Die Geburtsstunde der Daimler-Benz AG in Stuttgart-Untertürkheim ist die Fusion zweier technischer Giganten. Drei Jahre vor seinem Tod legt Carl Benz also auch die Kränkung bezüglich der Glührohrzündung endgültig zu den technischen Akten.
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