Der Volks-Wagen-Vater: Heute steht Ferdinand Porsche für schnelle, schnittige Sportwagen. Aber er konstruiert auch den legendären Käfer – im Auftrag der Nazis.
Collage: Uwe C. Beyer; Lesezeit: 3 Minuten
Ferdinand Porsche, Sohn eines Bauspenglers, schreibt zu Beginn des 20. Jahrhunderts Mobilitäts-Geschichte. Aber nicht nur mit schnittigen Rennwagen. Sondern auch mit einem deutlich bescheideneren Gefährt: Porsche konstruiert – im Auftrag der Nazis – den „Kraft-durch-Freude-Wagen“, der zu Zeiten des Dritten Reichs kaum zur Auslieferung kommt, später aber als „VW Käfer“ zum Verkaufsschlager wird.
1875 wird Ferdinand Porsch im damaligen Böhmen-Mähren geboren. Der erste Mensch, der von seinem technischem Talent profitiert, ist Vater Anton, bei dem Sohn Ferdinand auch in die Lehre geht. In der elterlichen Werkstatt installiert der junge Tüftler eine elektrische Beleuchtungsanlage, damit auch spät abends noch geschraubt werden kann – das Wissen hierfür saugt er autodidaktisch auf. Er besucht etliche Abendkurse an der Staatsgewerbeschule, hört sich einige Vorlesungen an der TH Wien an. Student ist er nie. Porsche macht seinen Weg ohne höhere Ausbildung.
Im Alter von 18 Jahren wechselt er als Mechaniker zu einer Wiener Elektrotechnikfirma und arbeitet sich in nur vier Jahren zum Leiter der Prüfabteilung hoch. Mit gerade einmal 21 meldet er mit dem Radnabenelektromotor sein erstes Patent an, mit 24 wechselt er zu den Lohner-Werken, einem Wiener Fahrzeughersteller, für den er den sogenannten „Lohner-Porsche“ entwickelt – das weltweit erste Allrad- und Hybrid-Auto.
Lohner werden Porsches Tüfteleien allerdings schnell zu teuer. Deshalb nimmt der seinen Hut und versucht sein Glück bei Austro-Daimler, wo er Motoren für normale KFZ, Sportwagen und die Luftfahrt entwirft. 1917, noch im Ersten Weltkrieg, wird Porsche dort Generaldirektor. Er arbeitet jetzt unter anderem an Antrieben für Versorgungszüge, die Güter an die Front transportieren. Sein Können weiß die Habsburger Monarchie so zu schätzen, dass sie Porsche für die Erhebung in den Adelsstand vorschlägt. Dass die Familie Porsche heute kein „von“ im Namen führt, ist nur dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem des österreichischen Kaiserhauses geschuldet.
Nach dem Ersten Weltkrieg widmet sich Porsche ganz den Sportwagen. 1923 stutzt Austro-Daimler das Budget aber so zusammen, dass es erneut Zeit für einen Wechsel wird: Porsche geht nach Stuttgart zur Daimler-Motoren-Gesellschaft, wo er Leiter des Konstruktionsbüros und Vorstandsmitglied wird. Er entwickelt dort verschiedene Mercedes-Modelle, stolpert 1928 aber über seinen recht legeren Führungsstil und den finanziellen Misserfolg der LKW-Modelle. Daimler verlängert seinen Arbeitsvertrag nicht; Porsche, der mit einer lebenslangen Anstellung kalkuliert hatte, ist empört. Erst 1930 kommt es zu einem Vergleich, im selben Jahr macht er sich mit einem Konstruktionsbüro selbstständig.
Pikant: Zehn Prozent der Firmenanteile hält zu Beginn der jüdische Kaufmann und Rennfahrer Adolf Rosenberger, der 1935 – unter zunehmendem Druck der Nazis – seine Anteile weit unter Marktpreis an Porsches Sohn Ferry abtritt. Rosenberger wird Porsche später attestieren, dieser sei zwar kein „persönlicher Antisemit“, habe sich seiner „Mitgliedschaft als Jude aber bedient, um mich billig loszuwerden.“
Generell zögert Porsche nicht, mit den neuen Machthabern zusammenzuarbeiten. 1934 wird er auf Drängen Hitlers deutscher Staatsbürger, im selben Jahr beginnt seine Mannschaft mit dem Entwurf des „deutschen Volkswagens“, genauer bekannt als „Kraft durch Freude-Wagen“. Sogar der Bau eines „Volkstraktors“ wird Porsche anvertraut. 1939 wird er zum „Wehrwirtschaftsführer“ bestellt, von 1941 bis 1943 zum Vorsitzenden der Panzerkommission, später sitzt er im Rüstungsrat. Er fordert Zwangsarbeiter für die Panzerproduktion an und zieht sich erst im Januar 1945, das Ende des Kriegs vor Augen, nach Österreich zurück. Nach der Kapitulation des Deutschen Reichs wird er inhaftiert und verbringt fast zwei Jahre in französischer Haft. 1949 wird Porsche „entnazifiziert“ und muss nach Einstellung des Verfahrens die Kosten dafür tragen: 37.000 Mark.
Die Auslieferung seines „Kraft durch Freude-Wagens“ an das gemeine Volk erlebt Porsche nicht. Die meisten produzierten Autos gehen an die Wehrmacht, an die Luftwaffe, das Deutsche Afrikakorps oder werden nach Ende des Kriegs von den Alliierten eingezogen. Ab 1945 kann er aber noch den Siegeszug seines Entwurfs als „VW Käfer“ verfolgen. Ab 1950 erobert der „Käfer“ dann endgültig die Welt und wird zum deutschen Verkaufsschlager und Symbol für das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit.
Porsche selbst stirbt 1951. In Wolfsburg ziert seine Bronzebüste das Rathaus, das Porsche-Museum in Stuttgart erinnert an sein Lebenswerk, das sudetendeutsche Museum in München widmet ihm und anderen Technik-Pionieren eine Sonderausstellung. Kritischer sieht sein Erbe die Stadt Linz, die 2023 den „Porscheweg“ in „Wittgensteinweg“ umbenennt. „Nicht die Technik macht Geschichte, sondern die Menschen, die sie erfunden haben“, soll Porsche zu Lebzeiten gesagt haben – das gilt mit allen Licht- und Schattenseiten auch für ihn.
Ferdinand Porsche ist eine von 11 Ikonen der Mobilität – lies mehr über die verbleibenden 10: 10+1 Ikonen der Mobilität