Cordt Schnibben sorgt sich aus sechs Gründen wegen der digitalen Abhängigkeit von den USA, darunter die Folgen für den Journalismus, Plattformisierung und Desinformation.
Es gibt sechs Gründe, um sich wegen der „digitalen Abhängigkeit von den USA“ zu sorgen. Das dystopische Szenario von Florian Harms (inklusive seiner Boykottvorschläge) agiert bei mir an sechster Stelle, dazu weiter unten mehr.
Erstens. Die künstliche Intelligenz der US-Monopole verwandelt unser Ökosystem des Journalismus in ein Galeerensystem anonymer Contentlieferanten.
Zweitens. Das Ökosystem der US-Plattformen entzieht unseren Medien die letzten Werbeerlöse.
Drittens. Der Algorithmus der US-Plattformen (und die Abwehrschwäche unserer Redaktionen) führt zur Plattformisierung unserer Medien.
Viertens. Die (durch den Algorithmus) beförderte Distributionsgeschwindigkeit von Desinformation überfordert unsere Medien, unsere Öffentlichkeit, unsere Demokratie.
Fünftens. Gegen alle vier Bedrohungen gäbe es Abwehrstrategien, die bisher aber viel zu unentschlossen diskutiert und umgesetzt werden, die jedoch existenzieller sind als Boykottmaßnahmen gegen US-Tools (demnächst mehr im Buch „Journalismus in der redaktionellen Gesellschaft“).
Sechstens. Das von Florian Harms entwickelte Szenario basiert auf einer unterstellten, übermächtigen Koalition von Big Tech, Tech Right, MAGA und Trump. Schon jetzt allerdings sind die feinen Bruchlinien innerhalb dieser staatsmonopolistische Mafia sichtbar – ich glaube an die Rationalität im Kapitalismus und an die Restdemokratie in den USA.
Cordt Schnibben ist Leiter der Reporterfabrik, der Bürgerakademie und des BookTalk. Und einer von vielen, die mit uns die wachsende Gefahr der digitalen Abhängigkeit von einer zunehmend aggressiven USA diskutieren, angestoßen durch das Gedankenspiel von Florian Harms: Was passierte eigentlich, wenn in Deutschland durch US-Sanktionen Google, Microsoft, Apple, Amazon und Co lahmgelegt wären?
Lies dieses Szenario und die Statements der weiteren klugen Köpfe der Kommunikationsgesellschaft: Was tust du persönlich, um deine digitale Abhängigkeit von den USA zu verringern?