Träume sind Gefühle und Gedanken in bewegten Bildern dargestellt. Ich habe also natürlich nicht nur einen Traum, sondern viele und jede Nacht andere. Mein Wunschtraum, meine Vision für die Zukunft aber ist eine Gesellschaft, die den Wert der Träume würdigt: Träumen für den Weltfrieden!
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Wir haben eine große Sehnsucht nach unseren inneren Bewegtbildern. Manchmal denke ich, dass wir aus diesem Grund Film und Fernsehen erfunden haben. Träumen ist aber auch wie eine kleine Therapie: Psychisch Nicht-Verdautes möchte Aufmerksamkeit und wird in unseren Träumen bearbeitet.
Träume, die inspirieren und verzaubern, und Albträume, die uns auf etwas Wesentliches hinweisen, sind ein wesentlicher Teil unseres Schlafcoachings: Denn wer träumt, der schläft, um das Mindeste zu sagen. Aber nur der Träumer oder die Träumerin weiß, womit sich ihr Traum tatsächlich beschäftigt. Daher haben mein Team und ich die Technik „Dream Sense Memory“ und eine gleichnamige App entwickelt. Damit lernen wir nicht nur, unsere Träume zu erinnern und zu notieren, sondern auch, intuitiv zu erspüren, was sie in uns bewegen. Das führt uns auch zum luziden, also bewussten und steuerbaren Träumen. Ich selber bin eine der glühendsten Anwenderinnen.
Was die versäumen, die sagen, sie träumten nicht! Bei vier oder fünf Stunden Schlaf ist eben auch keine Zeit dazu. Ich wünsche mir also eine Zukunft, in der wir alle endlich wieder schlafen und träumen können. Denn Träume sind auch eines der besten Kommunikationsmittel. Nichts bringt uns so rasch einander näher, wie unsere Träume zu erzählen und von den Träumen anderer zu hören. Wir vermitteln dabei unsere innersten Gedanken und Seelenbewegungen. Wir offenbaren etwas, von dem wir selbst noch nicht genau wissen, was es ist. Über den Dialog gelangen wir zu Ideen, womit sich unsere inneren Bilder beschäftigen – immer mit dem Risiko, es könnte etwas Peinliches sein. Träume preiszugeben ist also nie belanglos oder Small Talk – sondern Big Talk, der Vertrauen und Beziehung schafft.
In Zukunft kommunizieren wir dabei möglicherweise auf Kanälen, von denen wir bisher nicht einmal zu träumen gewagt haben. Ich denke an telepathisches Träumen – und selbstverständlich an den Psychologen Carl Gustav Jung, der gar meinte, dass das Kollektiv in den Träumen miteinander verbunden ist. Ein visionärer Gedanke, der auch die KI-Forschung anregt: Die künstlichen neuronalen Netze sollen heute träumen lernen, damit die KI tatsächlich die Kreativität erobern kann.
Wie wir wohl miteinander umgehen würden, wenn wir von „Was für einen Blödsinn hab ich heute Nacht wieder geträumt“ zu „Welch großartige Kreationen habe ich mir heute Nacht geschenkt“ finden würden?
Wie wir zu unseren Träumen stehen, sagt viel darüber, wie wir zu uns selbst stehen. Wenn wir unsere Nachtfantasien und uns selbst schätzen lernen und ernst nehmen, könnte das auch auf den Umgang mit anderen und der Umwelt abfärben. Wir alle brauchen Träume. Um bessere Entscheidungen zu treffen, um gesund, lange und in Frieden miteinander zu leben. Daher ist Träumen ein politischer Akt tatsächlich gelebter Demokratie.