Heiterkeit auf der Zielgerade der Existenz: Christiane Goetz-Weimer und Wolfram Weimer, Gründer der Weimer Media Group, verraten in der Turi.Edition.23, wie sie mehrere Weltuntergänge überlebt haben.

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Der erste Weltuntergang, den wir überlebt haben, war das Ende vom „Rosaroten Panther“. Im November 1986 stellte das ZDF die Kult-Serie ein. Wir fielen in die tiefe Schlucht des Schluchzens, denn die Welt war natürlich schlagartig sinnentleert. Und als im gleichen Jahr der Spiegel eine Titelgeschichte „Die Klima-Katastrophe“ publizierte und den Kölner Dom im Meereswasser zeigte, denn Deutschland werde im steigenden Meeresspiegel bald versinken, da stellten wir uns unmittelbar nach der Lektüre die Fatalisten-Frage: Müssen wir überhaupt noch mal in die Uni-Mensa und labbriges Cordon Bleu essen – oder besser gleich beim Asta den Apokalypse-Hungerstreik anmelden?

Da das Weltenende seit 1986 allseits abgemachte Sache schien, entschieden wir uns früh für lustvolle Heiterkeit auf der Zielgeraden der Existenz. Zumindest so lange noch letzter Schokopudding im Kühlschrank des Verlages war, und knapp bevor der Atomkrieg, saurer Regen, Borkenkäfer, die Bevölkerungsexplosion, das Ozonloch, Tschernobyl, die Vogelgrippe, die Schweinegrippe, der Klimawandel oder Corona uns den Garaus machen würde.

Ok, zwischendurch wurde auf Seite 17 unten links in der FAZ das Waldsterben abgesagt und auch das Ozonloch ganz ohne Sperrfrist heimlich geschlossen, aber dann kam ja das ultimative Doomsday-Ding, der schwarze Schwan, der passgenaue Super-GAU für uns: das Zeitungssterben – da wurde unser Humor für einen Vorabend-Drink lang radikal auf die Probe gestellt. Wenn nämlich Zeitungen und Magazine sterben, wie druckt man dann die letzte Todesanzeige der Zeitung in der Zeitung?

»Wenn Zeitungen und Magazine sterben, wie druckt man dann die letzte Todesanzeige der Zeitung in der Zeitung?«

Wir saßen – wie jede Happy Hour – in Cocktail-Klamotten an unserer blütenweißen Rooftop-Bar, räsonierten mit 17 Eschatologen, tranken Portwein und waren verzweifelt, dass das Leben als Verleger nun mit einem Todesfall im Todesanzeigenparadoxon endet, oder philosophisch ins Absurde verstrudelt.

Da entschieden wir uns endgültig, dem Weltuntergang mit lächelnder Tatkraft zu begegnen, das Ungesagte zum Eigentlichen zu erklären und das Absurde zum Programm zur Rettung unseres Verlegerjobs, der Medien, ja eigentlich der ganzen Welt zu machen.

Es war lächerlich absurd, mitten in der ersten Verflachungs-Welle der Printkrise ein gedrucktes Intellektuellen-Magazin namens Cicero zu gründen, in der Finanzkrise dann einen Börsenverlag zu kaufen (zum Lachen komisch), in der Kontaktverbots-Pandemie einen Ludwig-Erhard-Gipfel ganz groß aufzuziehen (was für eine Inzidenz!), und als die Großverlage sogar an monsterstarken Magazinen wie Markt+Mittelstand oder BusinessPunk verzweifelten, diese frohgemut zu übernehmen.

Und jetzt, da die Oberschlau-KI alle Redaktionen überflüssig macht, stellen wir herzlich gerne kluge Journalisten ein. Und hey, wer noch Qualitätsmedien verkaufen will, bitte her damit. Denn wenn die Apokalyptiker und Kulturpessimisten uns herbsttrunken erzählen, dass der Qualitätsjournalismus den digitalen Bach runter gehe, dann bestaunen wir des Bachrands fallende Blätter und empfehlen uns Paulchens rosaroten Trost als Traum: „Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage.“