Gesellschaft im Gleichgewicht: Für Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl zählen im Sattel und im Umgang miteinander die gleichen Werte, schreibt sie in der Turi.Edition.23.

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Eigentlich sehe ich gerade so viel Schönes um mich herum: die Pferde, meine Familie und all die anderen Menschen mit ihrer Passion. Aber wenn ich die Augen dann einen Moment lang schließe und mir die Zukunft vorstelle, sehe ich, was noch möglich ist: eine Welt, in der nicht nur meine Familie, sondern unsere ganze Gesellschaft, zu der ich auch die Tiere zähle, respektvoll zusammenlebt. In dieser Welt finde ich weiterhin die Ruhe und den Raum, mit meinen Pferden meinen eigenen Weg zu gehen – freudvoll, liebevoll, Schritt für Schritt.

Für meine Familie und mich wünsche ich mir in der Zukunft vor allem eines: echte, ungestörte Zeit zusammen. Augenblicke, die wir mit kleinen Ritualen und großen Abenteuern füllen, Erinnerungen, die uns wie ein unsichtbares Band zusammenhalten. Und natürlich Gesundheit, für meine Liebsten, für unsere Tiere und auch für mich. Denn Gesundheit ist unser größtes Gut. Sie gibt uns die Kraft, alles andere zu erschaffen und zu bewahren.

Für die Gesellschaft wünsche ich mir den Mut, Respekt neu zu entdecken – füreinander, für sich selbst und für jedes Lebewesen um uns herum. In einer Welt, in der der soziale Umgang durch die Anonymität der digitalen Medien brüchig geworden ist, wünsche ich mir ein echtes Miteinander. Wir verlieren uns zu oft in Kritik und Konkurrenz, statt gemeinsam zu wachsen. Ich träume von einer Gesellschaft, die erkennt, dass Frieden nicht von außen kommt, sondern in uns selbst beginnt, und dass nur durch Selbstreflexion und echten Respekt ein tieferes Verständnis und wahres Zusammenleben möglich sind.

Mit unseren Trainingsprogrammen für Dressurreiter und -pferde im Aubenhausen Club, der „Academy“ und „DressurFit“, sehe ich die Möglichkeit, über die Grenzen des Reitsports hinaus etwas zu bewegen. Jedes Training, das wir verbessern, jede Begegnung zwischen Mensch und Tier, die wir harmonischer gestalten, ist ein Schritt in Richtung einer respektvolleren Welt. Denn das Gleichgewicht, das wir im Sport anstreben, brauchen wir auch für das Leben: Gleichgewicht zwischen Körper und Geist, zwischen Mensch und Tier, zwischen Individuum und Gesellschaft.

»Visionen sind wertvoll – aber sie sind nur der Anfang. Wirklich lebendig werden sie, wenn wir uns mit offenen Augen und offenen Herzen aktiv auf den Weg machen«

Der Weg ist nicht leicht. Doch genau in dieser Herausforderung liegt eine große Chance: Wenn wir es schaffen, tiefe Verbindungen zu schaffen, die Bestand haben und auf echten Werten basieren, können wir nicht nur den Reitsport, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes positiv beeinflussen. Eine Gemeinschaft, die für dieselben Ideale brennt, ist die Basis für tiefgreifende Veränderung.

Meine Vision ist eine Welt, in der wir alle Verantwortung für uns selbst und unser Handeln übernehmen. Eine Welt, in der jeder Schritt, den wir mit unseren Pferden gehen, nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern ein Ausdruck von Menschlichkeit und Anerkennung ist.

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich eine Zukunft voller Harmonie und Miteinander. Doch sobald ich sie wieder öffne, sehe ich die Chancen, diesen Traum zu verwirklichen. Visionen sind wertvoll – aber sie sind nur der Anfang. Wirklich lebendig werden sie, wenn wir uns mit offenen Augen und offenen Herzen aktiv auf den Weg machen.