Lilith van Amerongen, Klimaaktivistin auf dem Weg zum Südpol, schreibt in der Turi.Edition.23 darüber, warum sie die Welt retten will, indem sie an ihr Ende reist.
Foto: PR; Lesezeit: 2 Minuten
Klirrende Kälte beißt sich erbarmungslos in den kleinen Spalt zwischen Neoprenmaske und Skibrille. Der Wind heult durch die endlose antarktische Landschaft, während das einzige weitere Geräusch in meinem Kopf das endlose Flattern meiner Kapuze ist, die ich mir tief ins Gesicht gezogen habe. In Situationen wie diesen frage auch ich mich, ob es das wert ist. Aber das ist es. Denn auf dem Spiel steht nichts weniger als unsere Zukunft. Ich reise zum Südpol für das Klima – und was macht ihr so?
Wenn ich Menschen zwischen ihrem Coffee to go und ihrer überquellenden Mailbox von meiner Expedition erzähle, fragen sie zuerst: „Warum?“ Alleine zum Südpol. 50 Tage, 90 kg im Schlitten, 1.130 km über das antarktische Plateau – den kältesten, trockensten und windigsten Ort auf dem Planeten. Die Antwort ist einfach. Weil ich etwas Konstruktives tun will. In der Antarktis werde ich deswegen Schneeproben für das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung sammeln, die damit Wetter und Klimamodelle besser erklären können. Ich gehe also buchstäblich bis ans Ende der Welt für den Klimaschutz.
»Wenn wir gedanklich in Dystopien hängen bleiben, hören wir auf, die Zukunft zu gestalten«Aber auch die inspirierendste Aktion bleibt in ihrer Wirkung begrenzt, wenn niemand von ihr erfährt. Erst durch öffentliche Aufmerksamkeit werden Geschichten zu Narrativen und entwickeln die Kraft, einen Wandel anzustoßen. Im Kampf gegen die Klimakrise ist Aufmerksamkeit mindestens genauso wichtig wie meine Ausrüstung und mein Wissen über das Überleben in den Polarregionen. Ich werde zum Glück von Kommunikations-Profis der Serviceplan Group unterstützt, die mir helfen, meiner Story die nötige Tragweite zu verleihen. Ich bekomme Medienbriefings, führe Interviews mit Zeitungen und Magazinen, lande in Podcasts und stand beim NDR vor der Kamera. Meine Botschaft trifft auf viel positive Rückmeldung. Das ermutigt mich – und ich hoffe, dass ich Menschen motiviere, sich für den Klimaschutz einzusetzen.
In einer im März 2023 durchgeführten Erhebung waren 74 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Welt in den kommenden Jahrzehnten nicht in der Lage sein wird, den Klimawandel wirksam zu bekämpfen.
»Haben Sie den Mut, sich Ihres eigenen Einflusses auf die Welt bewusst zu werden. Werden Sie Teil der Geschichte, wie wir die Zukunft verändert haben«Doch wenn wir gedanklich in Dystopien hängen bleiben, hören wir auf, die Zukunft zu gestalten. Wir brauchen Handlungsoptionen, um unsere Machtlosigkeit zu transformieren. Ein bisschen selbstgemachte Utopie. Tausend kleine und größere Stories über Einsatz und Impact. Das ist die wahre Macht meiner Geschichte. Sie soll Hoffnung machen.
Wenn dieser Text Sie erreicht hat, ist ein Teil meiner Mission schon erfüllt. Der Rest liegt in Ihrer Hand. Haben Sie den Mut, sich Ihres eigenen Einflusses auf die Welt bewusst zu werden. Werden Sie Teil der Geschichte, wie wir die Zukunft verändert haben. Und wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es das wert ist, dann denken Sie an mich und den eisigen Wind in meiner Neoprenmaske. Denken Sie an die Anstrengungen Tausender. Denken Sie an eine Zukunft, in der Wälder nicht brennen und Städte nicht versinken. Und denken Sie daran, dass Sie ein Teil des Wandels waren. Und glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage: Ja, all das wird es wert gewesen sein.