Florian Schroeder ist der klügste unter den bekannten und der bekannteste unter den klugen Kabarettisten. Und dazu ein virtuoser Radio-Mann. Mit Heike Turi spricht er für die Turi.Edition.23 in Klärchens Ballhaus über krasse Krisen und heilsamen Humor.
Interview: Heike Turi, Fotos: Holger Talinski; Lesezeit: 12 Min
Wir treffen uns in Clärchens Ballhaus. Als es 1913 eröffnet wurde, träumten die Berliner von einer glücklichen Zukunft. Bekommen haben sie zwei Weltkriege und Adolf Hitler. Wovon träumst du?
Ich träume von Weltfrieden! Das ist - ohne Ironie - vielleicht der unrealistischste Traum überhaupt. Ein etwas realistischerer Traum von mir wäre, dass die allgemeine Militarisierung des Diskurses gestoppt wird und vielleicht sogar wieder zurückgeht. Die politische Diskussion erscheint mir doch sehr aggressiv aufgeladen in den letzten Jahren.
Inwiefern?
Es ist ein Teufelskreis: Die Sprachlosigkeit gegenüber den Herausforderungen unserer Zeit führt zur Eskalation, die Eskalation verschärft die Sprachlosigkeit und immer so weiter. Wer eskaliert und emotionalisiert, verlässt das echte Gespräch. Jeder verdächtigt den anderen, sein Feind zu sein.
Wie kommt’s?
Unser Umgang mit Social Media ist infantil. Dieser Kommunikationskanal ist in der Menschheitsgeschichte noch immer recht jung und sehr disruptiv und plötzlich über uns gekommen. Wir sind dieser Technik offenbar zu hilflos ausgeliefert. Die Macht der Algorithmen ist riesig: Sie bestimmen, was wir sehen und was wir hören. Und vor allem: wen wir sehen und wen wir hören. Im Moment habe ich den Eindruck, wir Menschen passen uns der Logik der Algorithmen an, ohne diese auch nur ansatzweise zu durchschauen. Die Algorithmen denken binär: schwarz oder weiß, an oder aus, Freund oder Feind. Wo bleibt da der Humanismus als Ideal und Basis unseres Zusammenlebens?
Hättest du 1913 in Clärchens Ballhaus gern mal mitgetanzt?
Ich bin mir nicht sicher. 1913 ist das Geburtsjahr meiner Großmutter. Sie lebte dem Zeitgeist entsprechend recht angepasst, hat früh geheiratet und früh Kinder bekommen. Und sie stand unter der Knute ihres Mannes, hatte keinen Raum, um auszubrechen. Ihre Biografie hätte ich nicht leben wollen. Und da ich ein überaus schlechter Tänzer bin, weiß ich auch nicht, ob ich mich in dieser Hinsicht meinen Mitmenschen damals hätte zumuten wollen.
Wären die Zwanziger deine Zeit gewesen?
Dahin würde ich tatsächlich gern eine Zeitreise unternehmen. Ich glaube zwar nicht, dass die 2020er Jahre wie die 1920er Jahre laufen. Aber wenn man sich wie ich damit beschäftigt, ist diese Zwischenkriegszeit schon sehr spannend.
Wen siehst du, wenn du in den Spiegel schaust?
Alle und Keinen. Friedrich Nietzsche schrieb als Untertitel unter den Zarathustra: ein Buch für Alle und Keinen. Das finde ich sehr schön. Ich nehme mich in selbstbewussten Stunden als Gesamtkunstwerk wahr. Und in weniger selbstbewussten als eine in sich gespaltene Figur, die unendlich viele Seiten hat und sich in diesen Möglichkeiten ziellos verlieren und verzetteln kann. Etwas alltäglicher formuliert: Wenn ich in den Spiegel gucke, dann sehe ich jemanden, der sich jeden Tag aufs Neue fragt: Was machst Du aus diesem Tag?
Das leicht Bipolare liegt ja in der Natur vieler Künstler, denen eine klare Tagesstruktur fehlt.
Tatsächlich sind meine Tage strukturierter als man wahrscheinlich glaubt. Ich habe bei Thomas Mann in seinen Tagebüchern gelesen, dass er fast schon beamtisch gelebt hat: Vormittags wurde gearbeitet, mittags wurde spazieren gegangen, dann wurden Katia die Briefe diktiert, und abends wurden der gesamten Familie gegen deren Willen die neuen Texte vorgelesen.
Das habe ich ein bisschen anders in Erinnerung. Die Kinder von Thomas Mann mussten immer still sein: morgens weil er gearbeitet hat, mittags weil er geruht und abends weil er Besuch empfangen hat.
Ganz so streng halte ich es nicht, weil mein Tag zum Glück ein bisschen bunter und vielfältiger ist als der der Familie Mann. Und abends hören meine Zuschauer auf Tour mir auch freiwillig zu! Zumindest habe ich bislang nichts Gegenteiliges gehört.
Deine Tournee ist ja der Wahnsinn. Allein zwischen 6. Dezember und 26. Januar stehen 22 Auftritte auf dem Tournee-Plan, von Wuppertal bis Leipzig. Was ist so schön daran, in Monheim am Rhein in der Aula am Berliner Ring aufzutreten?
Ich hatte nur Berliner Ring gelesen und dachte, ich trete in Berlin auf und habe so erst später erfahren, dass man mich nach Monheim geschickt hatte. Tatsächlich ist es mir relativ wurscht, wie groß oder klein eine Stadt ist. Solange die Hütte voll ist, fahre ich fast überall hin.
Was wolltest du als Kind werden?
Ganz am Anfang wollte ich Müllmann werden. Ich fand es irgendwie cool, diesen Leuten hinterherzugucken, wie sie den Müll wegräumen. Meine Mutter war ein bisschen schockiert, weil sie dachte, da sei doch noch ein anderes Potenzial in mir. Dann wollte ich Polizist werden und danach dann Lokomotivführer.
Das bist du ja auch geworden, irgendwie. Wann hast du gemerkt, dass Du die Leute zum Lachen bringen kannst?
So richtig in der Pubertät. Ich war eine Null im Sport, hatte Pickel und war dick – da brauchst du einen Rettungsring – das war mein Humor. Ich hatte sonst nicht viel zu bieten, aber mein komisches Talent hat mich aus dieser Außenseiterposition rausgebracht. Ich habe Lehrer und Prominente parodiert – und das nicht nur auf dem Schulhof, sondern auch während des Unterrichts. Das unterscheidet ja den Klassenclown vom Pausenclown: Der Klassenclown geht in den Infight, das heißt er stört, er kommentiert, reagiert auf sein Gegenüber. Das ist das, was der Komiker auch tut, er geht rein und sorgt für die Konfrontation.
Warum hat es dafür nicht gereicht?
Weil ich mit zehn Thomas Gottschalk werden wollte. „Wetten, dass …?!“ war die einzige Sendung, die ich bei meiner Oma im Fernsehen gucken durfte. Ich habe die Show relativ schnell nachgespielt, ich als Moderator, Oma in der Rolle der Wettkandidaten und der Wettpaten. Mein erster wirklich ernst zu nehmender Berufswunsch war also: Unterhaltungsmoderator.
Das gibt heute die Diagnose ADHS.
Stimmt. Heute steht man als Mensch in der Öffentlichkeit ohne Diagnose ganz schön nackt da. Ich habe ich mich auch schon gefragt: Welche Diagnose könnte zu mir passen, um mich im Markt besser zu positionieren? Beim Gesundheitscheck ist leider nichts rausgekommen.
Welcher war der bewegendste Moment deiner Karriere?
Wahrscheinlich mein erster Fernsehauftritt. Damals bei Harald Schmidts „Schmidteinander“. Ich war gerade mal 14 Jahre alt. Das war wie von null auf hundert, direkt vom Schulhof auf die riesige Fernsehbühne. Und in diesen Fernsehkosmos als Jugendlicher reinzukommen, als pummeliger Junge, der schon froh war, wenn die Mitschüler ihn nicht auslachten, sondern über ihn lachten – das war schon outstanding. So aufgeregt wie da war ich nie wieder.
Und was war der schlimmste Moment in deiner Karriere?
Der schlimmste Moment war, als ich mit zwanzig auf der Bühne des Ufa-Kinos in Stuttgart stand und ausgebuht wurde. Ein entfernter Bekannter hatte mich zu einer Sneak Preview als Vorprogramm geladen. Ich war noch im Zivildienst und dachte: Ja, jetzt geht es los. 700 Leute sitzen im Saal. Der Bekannte, der das Kino leitete, machte die Anmoderation, das Publikum grölte Ausziehen! Ausziehen! Mein Bekannter moderierte mich an mit den Worten Hier kommt Udo Lindenberg. Damals machte ich nur Parodie; die 700 Leute, maximal besoffen, dachten aber, jetzt käme wirklich Udo Lindenberg. Ich komme raus, der ganze Saal buht, eine Welle der Empörung schlägt mir entgegen. Wenn 700 Leute dich ausbuhen und auspfeifen - das hat eine Wucht, das glaubst du nicht. Nach zwei Sätzen konnte ich nichts mehr sagen. Ich habe den Notausgang gesehen und bin einfach rausgelaufen und habe mir vorgenommen: Du trittst nie wieder irgendwo auf.
Wann verlierst du deinen Humor?
Bei schlimmen Schicksalsschlägen, die Menschen erleiden; wo es tragisch und dramatisch wird, ziehe ich mich als öffentliche Figur zurück. Es wäre unethisch und würde auch keinen Sinn haben, sich nur um der Provokation willen über Menschen lustig zu machen, denen Schlimmes passiert ist.
Viele Menschen fühlen sich von der Nachrichtenlage überfordert und schalten ab. Du nicht?
Im Gegenteil: Ich bin Nachrichtenjunkie, denn ich bin durch meine Arbeit zur Auseinandersetzung mit Themen gezwungen, für die ich sonst vielleicht zu bequem wäre. Das trainiert meinen Geist. Im nächsten Schritt versuche ich, aus den Themen Pointen zu generieren. Der Humor ist für mich also eine Möglichkeit, mich mit der Welt auseinanderzusetzen und ihr sowohl näher zu kommen als auch ferner zu bleiben.
Warum hast du es doch wieder getan?
Ich musste. Ich hatte mich angemeldet für den Kleinkunstpreis der Uni Freiburg, der vier Wochen später ausgerichtet wurde. Ich kam hin, machte meine zwanzig Minuten, und sie haben mich gefeiert. Anderes Publikum, andere Erwartungshaltung. Ich habe den Preis gewonnen und gedacht: Okay, so schlecht bin ich wohl doch nicht.
Dein Werkzeug ist der Humor. Was vermag Humor?
Distanz schaffen. Guter Humor heißt immer Abstand nehmen. Humor ist eine rationale Kraft. Robert Musil schreibt Witz kommt von Wissen. Man muss Witze verstehen, man muss Gags verstehen, man muss Zusammenhänge verstehen. Nur Menschen, die Abstand nehmen können, sind zum Humor fähig. Darum sind alle autoritären Machthaber und Menschen humorunfähig. Sie nehmen sich selbst zu ernst, haben eine zu große Mission. Trump zum Beispiel fühlte sich von Kamala Harris schwer gepiesackt, als sie über ihn lachte. Musil schreibt weiter: Der Witzige ist immer vorwitzig; er setzt sich über die gegebenen Grenzen hinweg, an denen der voll Fühlende haltmacht. Da wir heute in einer Zeit sind, in der Gefühle über allem zu stehen scheinen – vor allem über dem Argument – ist der Humor auch von dieser Seite unter Druck geraten.
Brauchen wir mehr Humor in der Gesellschaft?
Wir brauchen viel mehr Humor. Und: Wir brauchen viel mehr Abstand. Wir leben heute in einer Gefühlsdiktatur. Der Satz der Gegenwart ist: Ich fühle es nicht. Dieser Satz hat positive Konnotationen, ich weiß. Aber dieses Ersticken in Gefühlsduselei, dass dauernd jeder glaubt, im Recht zu sein, nur weil er etwas fühlt, halte ich für problematisch. Das Argument steht über dem Gefühl. Sonst können wir einpacken.
Lässt du dich von einer woken Gesellschaft einengen?
Nein, ich lasse mich nicht eingrenzen. Die Aufgabe des Satirikers ist, genau wie die des Journalisten oder des Wissenschaftlers, präzise zu schreiben, präzise zu argumentieren, präzise zu denken. Die Tatsache, dass sich Menschen verletzt fühlen, ist zunächst kein Grund, einen Witz nicht zu machen. Es sei denn, man muss selbstkritisch feststellen, dass man einen Gag gemacht hat über Menschen, die es nicht verdient haben. Oder dass man in einer Weise über Menschen gesprochen hat, in der sie es nicht verdient haben.
Was treibt dich an?
Bei Hegel heißt es: Philosophie ist die eigene Zeit in Gedanken erfasst. Ich habe daraus gemacht: Humor ist die eigene Zeit in Pointen erfasst. Mich treibt an, die Welt zu verstehen und Fragen zu stellen, die andere im besten Fall noch nicht gestellt haben. Für mich ist es am schönsten, wenn nach der Show Leute sagen: Krass, so habe ich das Thema noch nie gesehen. Ich kann wenig damit anfangen, wenn Satire und Kunst vorhersehbar sind. Ich finde es viel erfrischender, wenn man immer wieder neu aufs Weltgeschehen blickt. Wie so ein Vogel, der von Baum zu Baum fliegt und feststellt: Von hier ist die Perspektive aber eine andere.
Bist du als Satiriker auch Journalist?
Ich stehe an der Grenze zwischen Satire und Journalismus. Meine Arbeitsweise ist eine journalistische, aber ich bin kein investigativer Journalist. Das ist eine eigene Disziplin, auf die ich angewiesen bleibe. Ich kann aus dem, was andere recherchieren, etwas Unterhaltsames machen. Das können Journalisten meist nicht, weil sie nur selten satirische Pointen in ihre Texte schreiben können.
Bringt uns Haltungsjournalismus weiter?
In meiner journalistischen Ausbildung habe ich gelernt, dass der höchste Wert des Journalisten seine Unabhängigkeit ist. Also Unkorrumpierbarkeit, Distanz, Infragestellung auch der eigenen Grundüberzeugungen. Deswegen übe ich eine gewisse Zurückhaltung bei der Frage, ob mich aktivistischer Journalismus begeistert. Ich bin da eher skeptisch. Zugleich sollte jede Generation die Chance haben, das Handwerk neu zu verstehen und für ihre Weltwahrnehmung auszulegen.
Hast du ein Vorbild?
In meiner Jugend war Harald Schmidt prägend. Gleichzeitig habe ich die amerikanischen Late Night Shows inhaliert. David Letterman war für mich ein Unterhaltungsgott. Auf Premiere lief seine Sendung damals jeden Abend unverschlüsselt. Ich habe sie auf VHS-Kassette aufgenommen, um mir genau anzugucken: Wie baut er einen Stand Up? Wie erzählt er Gags? Meine Faszination für US-Fernsehen und für US-Unterhaltung ist bis heute geblieben. Diese Gleichzeitigkeit von Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit ist wunderbar. Ein Format, das man in Deutschland leider liegengelassen hat, obwohl es ein Publikum dafür durchaus gibt.
Was hältst du von Dieter Nuhr?
Er hat eine unbesetzte Stelle im Satirezirkus erfolgreich besetzt - nämlich die des liberal-konservativ sprechenden Komikers. Ich finde es sehr lustig, dass Komiker immer zu Kollegen befragt werden. Josef Hader hat das in einem Programm einmal schön zusammengefast, als er sagte: Die fragen doch ihren Zahnarzt auch nicht, wie der Kollege bohrt.
Du parodierst gern Markus Lanz, nicht gerade freundlich. Magst du ihn nicht?
Ich schätze ihn als Moderator und als Mensch sehr. Er ist einer der integersten und sympathischsten Fernsehkollegen, die ich kenne. Das meine ich völlig unironisch. Und gerade weil ein großer Respekt da ist, parodiere ich ihn so gern und so leidenschaftlich. Mir wurde auch gefeedbackt, wie man heute in der nach allen Seiten offenen Kommunikationswelt sagt, dass Lanz und ich uns nicht ganz unähnlich sind und dass es gewisse physiognomische Überschneidungen gibt.
Ihr seid beide Anzugträger.
Richtig. Und die Anzüge sind auch nicht ganz unähnlich. Schmale Krawatten, Slim Fit-Hemden, enge Anzüge. Morgen vielleicht schon bei Boston Consulting, man weiß es nicht genau. Ich gucke mir bei ihm häufig Farbkombinationen ab, die ich mir allein nicht zugetraut hätte.
Dich gibt es live, linear und digital. Du stehst auf der Bühne, bist im TV, im Radio, in Podcasts, schreibst Bücher, postest auf Instagram, Facebook und Youtube. Warum?
Weil alle Kanäle unterschiedliche Möglichkeiten der Darstellung eröffnen. Und weil ich zu all diesen Medien emotional einen Zugang habe. Ein fertiges Buch vor sich liegen zu haben und zu wissen, das habe ich geschrieben - das ist einfach ein erhebendes Gefühl. Wer schreibt, der bleibt. Da bin ich strukturkonservativ. Das wertet den Stand Up nicht ab. Der Stand Up bietet eine ganz andere Möglichkeit, vor Publikum zu stehen und mit dem Publikum in einem Flow zu sein. Die Leute zu hören, wie sie lachen, wie sie applaudieren, ist wunderschön. Das ist die unmittelbarste Erfahrung. Im Fernsehen wiederum gibt es Möglichkeiten, die nur mit diesem Medium erzählbar sind, durch Einspieler zum Beispiel. Social Media macht es möglich, dass ich unmittelbar und am selben Tag aktuell reagieren und kommunizieren kann.
Welche Erfahrungen machst Du mit Social Media?
Es gibt unendlich viel Hass da draußen, es gibt unendlich viel Müll in den Reactions. Ich gucke mir das völlig gelassen an, ich nehme das als Rauschen wahr, mal lauter, mal leiser. Insgesamt finde ich dramatisch, was auf X passiert. Seit Elon Musk übernommen hat, halte ich X für eine Drecksschleuder an Fake News, in der sich kaum noch unterscheiden lässt, was Propaganda ist und was nicht. An Elon Musk lässt sich auch auf dramatische Weise beobachten, wie Rechte alte progressive Themen gekapert haben. Wer heute Meinungsfreiheit sagt, meint häufig Rassismus. Da ist für die eigentliche Bedeutung dieses Grundrechts ein Armutszeugnis.
Du bist 45 Jahre alt. Kannst du die Boomer verstehen?
Verstehen? Ja. Ich fühle mich aber nicht als Teil von ihnen. Ich gucke sie mir als Phänomen an, genau wie ich mir natürlich mit großem Interesse die 20- bis 30-Jährigen als Phänomen angucke. Ich habe lange damit gehadert, dass ich zu einer Art Zwischengeneration gehöre. Also zu alt für Fridays for Future und zu jung für die Boomer. Zu jung, um alles scheiße zu finden, was die nachfolgende Generation macht, aber auch zu alt, um ein Teil davon zu sein. Dieses Großwerden in einer Art Zwischengeneration birgt das Risiko, unter die Räder der Geschichte zu geraten. Es birgt aber auch die Chance, einen wachen, möglichst undogmatischen, vielleicht auch freieren Blick auf die eigene Zeit zu haben.
Also hast du keine Identitätskrise?
Im Gegenteil. Meine bisher größten Identitätskrisen hatte ich in den Pubertätsjahren und künstlerisch in den ersten Jahren so bis 30. Als ich selber nicht wusste, was ich wirklich will und das Gefühl hatte, ich bin auf einer ewigen Suche.
Welchen Sinn gibst du deinem Leben?
Der Sinn meines Lebens besteht für mich darin, möglichst viele Leute mit meinem Wahnsinn zu infizieren.
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