Sigmund Gottlieb sagt: Das Geschäftsmodell der US-Plattformen beruht zu großen Teilen auf unserer Eitelkeit.

Da ich kein Exhibitionist bin, der jede bedeutungsfreie Minute mit anderen „teilend“, dabei sich selbst entblößend in die Welt hinausträgt, hat dies natürlich Konsequenzen: Noch nie habe ich mich auf Facebook, Instagram oder TikTok bewegt.

Auch habe ich aus einem nicht klar zu definierenden, aber stets vorhandenem Unbehagen heraus alle WhatsApp-Vernetzungen gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Die dort zum Ausdruck kommende permanente Teilhabe der anderen am Eigenen erfüllt mich mit Abneigung. Ich brauche das nicht!

Natürlich geht es auch nicht ohne. 2012 habe ich als damaliger Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens einen Twitter-Account eröffnet. Twitter habe ich später auch privat genutzt. Den darauf folgenden Wechsel zu X habe ich ebenfalls mitgemacht. Das ist für mich eine ganz hilfreiche Sache, kann ich doch dort meinen Wochen-Kommentar „gottliebdirekt“, der bei Ippendigital erscheint, weiter verbreiten.

Auch kann ich meinen Zorn oder meine Freude über die Akteure in Politik, Medien oder Wirtschaft in kurzen Tweets zum Ausdruck bringen, wenn mir danach ist. Die Qualität von X lässt allerdings nach. Ich werde genau hinschauen, ob das noch der digitale Ort ist, wo ich mich weiter wohlfühlen kann. Ansonsten navigiere ich mit Google und Apple weitgehend unfallfrei durch das digitale Universum. 

Es ist mit Tech-Giants aus den USA ein bisschen wie mit Trump: Man muss sie genau beobachten, man muss nicht jeden Unsinn mitmachen, man muss sich im Notfall wehren. Aber man sollte sie nicht blind verteufeln. Merke: Ihr Geschäftsmodell beruht zu großen Teilen auf unserer Eitelkeit.

Sigmund Gottlieb ist Publizist und Ex-Chefredakteur des BR. Und einer von vielen, die mit uns die wachsende Gefahr der digitalen Abhängigkeit von einer zunehmend aggressiven USA diskutieren, angestoßen durch das Gedankenspiel von Florian Harms: Was passiert eigentlich, wenn in Deutschland durch US-Sanktionen Google, Microsoft, Apple, Amazon und Co lahmgelegt wären?

Lies dieses Szenario und die Statements der weiteren klugen Köpfe der Kommunikationsgesellschaft: Was tust du persönlich, um deine digitale Abhängigkeit von den USA zu verringern?