York von Heimburg sagt: Wirkliche Veränderung könnte nur eine gemeinsame europäische Social-Media-Lösung bewirken.
Persönlich unternehme ich nichts, um die digitale Abhängigkeit von USA oder auch China zu verringern. Das wäre als ein über vier Jahrzehnte international tätiger Manager auch gar nicht machbar, weil ich mich damit von allen gängigen Kommunikationskanälen meiner weltweiten Kontakte selbst abkoppeln würde.
Meiner Meinung nach bewirkt das persönliche Fernbleiben von den marktbeherrschenden Social-Media-Kanälen kaum etwas. Es erscheint mir mehr eine trendige Zeitgeist-Haltung zu sein, die die aktuellen Marktrealitäten verkennt.
Wirkliche Veränderung könnte nur eine gemeinsame europäische Social-Media-Lösung bewirken als Gegengewicht zur US-Übermacht versehen mit den europäischen Schutzmechanismen und sicheren politischen Rahmenbedingungen. Ob sich diese angesichts des dafür notwendigen Investitionsrahmens wirtschaftlich skalierbar noch umsetzen lasst, darf aber bezweifelt werden.
Dafür müsste Europa erst einmal die Kleinstaaterei aufgeben und wirklich gemeinsam und groß denken, um so ein Projekt wirtschaftlich und technologisch erfolgreich zu stemmen.
By the way: Dies gilt übrigens auch für alle anderen Themenbereiche, bei denen sich Europa geopolitisch unabhängig von den großen Blöcken der Welt machen will. Auch da braucht es neuen politischen Willen und eine Vision und das wirkliches Ziel, Europa als Einheit ernsthaft weiter zu entwickeln.
York von Heimburg ist Unternehmensberater. Und einer von vielen, die mit uns die wachsende Gefahr der digitalen Abhängigkeit von einer zunehmend aggressiven USA diskutieren, angestoßen durch das Gedankenspiel von Florian Harms: Was passierte eigentlich, wenn in Deutschland durch US-Sanktionen Google, Microsoft, Apple, Amazon und Co lahmgelegt wären?
Lies dieses Szenario und die Statements der weiteren klugen Köpfe der Kommunikationsgesellschaft: Was tust du persönlich, um deine digitale Abhängigkeit von den USA zu verringern?