Julia Becker ist unsicher, ob und wie sie ihre private Abhängigkeit von US-Technologien reduzieren kann und möchte, will aber aus der Trägheit raus.

Da ich nicht auf den sogenannten sozialen Kanälen oder Linked-in aktiv bin, reduziert sich meine Nutzung von US-Plattformen wohl auf die üblichen Grossanbieter Amazon, Google, Apple, Microsoft und WhatsApp…

Allein diese Aufzählung hat mich ziemlich beunruhigt und deshalb (natürlich!) bei ChatGPT (der mit mir mit Ruhrpott-Slang spricht) nachfragen lassen, wie ein konkreter Umstiegsplan in Stufen für meinen Alltag aussehen könnte: Das Ergebnis ist so verblüffend detailliert, in einzelne Wochen-Stufen (ähnlich wie die Kohlsuppen-Diät aus der Bild der Frau) aufgeteilt, inklusive aller relevanten Sicherungsmaßnahmen wie Passwortsicherung am Vorabend, um alte Konten nicht vollständig zu löschen, bevor neue Dienste aufgebaut sind, dass ich mich natürlich sofort gut beraten fühle.

Das Ziel, meine privaten Daten nicht länger unter US-Recht zu lagern, weniger Tracking ohne Komfortverlust, keine digitale Identität mehr bei Google/Microsoft zu haben, sowie 60 Prozent weniger Google auf meinen IPhone zu nutzen (gilt als der schwierigste, aber wirkungsvollster Schritt und dauert circa vier Wochen) wird vollständig erfüllt im Sinne von "Du bist nicht anti-amerikanisch, sondern digital souverän".

Jetzt bin ich dank der US-Maschine deutlich schlauer, was zu tun ist – übrigens neben meiner Forderung nach einem Social-Media-Verbot U16 und einer vollständigen Meidung von Uber, um die lokalen Taxiunternehmen zu unterstützen – aber ist das denn der richtige Weg?

Daher muss ich zugeben, dass ich wirklich unsicher bin, ob und wie ich meine Abhängigkeit von US-Technologien reduzieren kann – und möchte. Aber die Trägheit zu überwinden, die Florian Harms zurecht anspricht, wird mein erster Vorsatz im neuen Jahr!

Julia Becker ist Aufsichtsratsvorsitzende der Funke-Mediengruppe. Und einer von vielen, die mit uns die wachsende Gefahr der digitalen Abhängigkeit von einer zunehmend aggressiven USA diskutieren, angestoßen durch das Gedankenspiel von Florian Harms: Was passierte eigentlich, wenn in Deutschland durch US-Sanktionen Google, Microsoft, Apple, Amazon und Co lahmgelegt wären?

Lies dieses Szenario und die Statements der weiteren klugen Köpfe der Kommunikationsgesellschaft: Was tust du persönlich, um deine digitale Abhängigkeit von den USA zu verringern?