Die internationale Sonderkorrespondentin des ZDF möchte von Unrecht berichten, aber auch vom Eintreten für Freiheit, für Demokratie und für die eigenen Rechte. Denn sie glaubt: Wir brauchen jetzt Mut.

Foto: privat; Lesezeit: 1 Minute

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, in Balance zu bleiben. Boule ist dafür perfekt, und es gehört zur Provence, meiner Lieblingsregion. Boule-Spielen hilft mir beim Nachdenken. Was können wir eigentlich lernen von den Frauen in Afghanistan und Iran? Von den Ukrainern, von der belarussischen Opposition? In der Berichterstattung über Krisen und Kriege weltweit verengen wir den Blick, wenn wir Menschen nur als Opfer zeigen. In Frankreich hat uns Gisele Pelicot gezeigt, welche Kraft es hat, wenn eine Frau, der Grauenvolles angetan wurde, ihre Stimme erhebt.

Als Internationale Korrespondentin möchte ich von Unrecht berichten, aber auch vom Eintreten für Freiheit, für Demokratie, für die eigenen Rechte. Mir erscheint das gerade jetzt wichtiger denn je: In Deutschland und Europa wächst die Hilflosigkeit. Mit einem Gefühl der Lähmung erleben viele Menschen, dass die Angriffe auf Demokratie, Freiheit und Würde ein gefährliches Ausmaß angenommen haben. Wir brauchen jetzt Mut! Wir Journalisten sind in der Verantwortung, Orientierung in Perspektiven zu bieten. Wir dürfen das Feld nicht denen überlassen, die Angst, Hass und Verwirrung schüren.

Wenn ein Elon Musk auf X seinen 200 Millionen Followern verkündet: „Ihr seid die Medien“ – dann ist das nicht nur falsch, sondern sollte uns wachrütteln. Dabei müssen wir uns aber auch fragen, warum wir so viele Menschen nicht mehr erreichen. In einer Welt, in der Lügen strategisch zur Desinformation eingesetzt werden und Tech Giganten Plattformen mit enormer Reichweite für ihre Ziele nutzen, müssen wir uns einerseits auf die journalistischen Grundprinzipien besinnen, aber auch Journalismus ein Stück weit neu denken. Anders als Bürgerjournalisten oder Influencer sind Journalisten der Wahrheit verpflichtet, müssen Informationen überprüfen. Wir müssen aber auch Haltung zeigen und Lügen als solche benennen.

Es reicht nicht mehr, in den traditionellen Medien, die die Gegner der Demokratie als „Mainstream-Medien“ herabwürdigen, präsent zu sein. Deshalb arbeite ich im ZDF an einem Doku-Format, um Inhalte auf Social-Media-Plattformen wie TikTok und YouTube zu präsentieren: „Frontlines“, mit dem ich Kriegs- und Krisenberichterstattung anders zu erzählen versuche. Ein weiteres Medium der Zukunft ist für mich der Podcast. 2025 möchte ich mein eigenes Podcast-Format herausbringen und darin Geschichten von Menschen erzählen, die andere inspirieren.

Vor Ort zu sein, dorthin zu gehen, wo es manchmal auch gefährlich und schmerzhaft ist, ist weiterhin die Grundlage für Vertrauen des Publikums. Über einen Krieg kann man nicht aus dem Hotelzimmer oder vom Schreibtisch berichten. Wir müssen uns aber immer auch darum bemühen, die menschliche Verbindung herzustellen. Zwischen dem Menschen, der zuhause am Fernseher sitzt und afghanischen Frauen, die um ihre Rechte kämpfen. Und klar machen: Was hat das mit mir, mit uns zu tun? Das unterscheidet unsere Berichte auch in Zukunft von KI-generierten Beiträgen.