Die Neurowissenschaftlerin schreibt Bestseller zum Thema Emotionen, lehrt als Professorin für Nachhaltige Transformation an der FH Münster und hofft auf menschliche Beziehungen, in denen emotionale Bedürfnisse geäußert und berücksichtigt werden.
Foto: Victoria Jung; Lesezeit: 1 Minute
Ich träume von einer Welt, nein, von einer Menschheit, die Gefühle nicht länger als Schwäche versteht, sondern als grundlegende Funktionsweise unserer Biologie und sämtlicher Entscheidungen anerkennt. Die nicht nur erforscht und verstanden hat, dass alles, was jeder Mensch in jedem Moment tut, immer durch ein Wirrwarr aus Gefühlslagen bestimmt ist, sondern sämtliche Strukturen genau darauf ausgelegt hat.
Also von einer Menschheit, die einen emotional reifen Umgang mit sich selbst und anderen als wichtigstes und lebenslanges Ziel verstanden hat. Ich träume von menschlichen Beziehungen, in denen nicht manipuliert, geschwiegen oder geschrien wird, sondern emotionale Bedürfnisse geäußert und berücksichtigt werden. Ich träume von Medienschaffenden, die das Ziel verfolgen, möglichst viele Menschen ehrlich zu informieren und so zu guten Entscheidungen zu befähigen. Ich träume von Politiker*innen, die sich wertschätzend und verantwortungsvoll für ein besseres Zusammenleben einsetzen. Ich träume auch von einer Wirtschaft, die zum Ziel hat, menschliche Grundbedürfnisse mög lichst nachhaltig zu erfüllen.
Ich weiß, dass all das kein Traum bleiben muss. Weil das Wissen über unser Dasein als emotional-soziale Wesen vorhanden ist. Das Wissen darüber, dass die wichtigste Zutat für ein gesundes, glückliches Leben gute soziale Beziehungen sind. Und auch das Wissen darüber, dass emotional reife Menschen dazu in der Lage sind, solche Beziehungen zu führen. Was braucht es noch auf dem Weg vom Status quo zu meinem Traum? Genug Menschen, die sich laut und mutig dafür einsetzen, den Traum zur gelebten Realität werden zu lassen.