Carsten Spiegel sagt: Ganz ohne US-Dienste geht es im Job nicht, doch wir müssen anfangen, Bequemlichkeit gegen echte Unabhängigkeit einzutauschen.
Beruflich stecke ich in einem echten Dilemma: Als IT Consultant bewege ich mich fast ausschließlich in hybriden Netzwerkinfrastrukturen mit massiven Schnittmengen zu US-Clouddiensten. Ob Microsoft Entra ID, SharePoint oder die Atlassian-Suite mit Jira und Confluence, meine Kunden sind dort tief verwurzelt. Diese Abhängigkeit ist ein Fakt, den man im Dienstleistungssektor derzeit nicht einfach ignorieren kann.
Privat fahre ich deshalb ein konsequentes Programm für digitale Autarkie. Ich habe Windows durch Debian und Parrot OS ersetzt, mein OneDrive gegen ein lokales NAS/SAN getauscht und vor einem Jahr meinen Hyper-V-Server durch Proxmox VE abgelöst. Auch dem Google-Ökosystem habe ich den Rücken gekehrt. Ich suche aktuell über Ecosia und nutze für die Anonymität den Tor Browser. Bei E-Mails und Servern mache ich keine Kompromisse und nutze konsequent europäische Hoster.
Ganz ohne US-Cloud geht es im Job noch nicht, aber privat hole ich mir die Kontrolle zurück. Plattformen wie european-alternatives.eu zeigen, wie es geht. Es ist am Ende eine Frage des Willens. Wir müssen anfangen, Bequemlichkeit gegen echte Unabhängigkeit einzutauschen.
Carsten Spiegel ist Defensive Security und IT-Security Consultant. Und einer von vielen, die mit uns die wachsende Gefahr der digitalen Abhängigkeit von einer zunehmend aggressiven USA diskutieren, angestoßen durch das Gedankenspiel von Florian Harms: Was passierte eigentlich, wenn in Deutschland durch US-Sanktionen Google, Microsoft, Apple, Amazon und Co lahmgelegt wären?
Lies dieses Szenario und die Statements der weiteren klugen Köpfe der Kommunikationsgesellschaft: Was tust du persönlich, um deine digitale Abhängigkeit von den USA zu verringern?