Christina Herzog ist seit einigen Monaten verantwortlich für die Hyundai-Premiummarke Genesis in Deutschland. Mit Harald Hamprecht spricht die frühere Hyundai- und Opel-Marketingchefin darüber, welche Marketingstrategie den Koreanern helfen soll, sich im anspruchsvollsten Automarkt Europas zu etablieren.

Fotos: PR, Picture Alliance, privat; Lesezeit: 6 Minuten

Wie geht es dir, Christina Herzog?
Top, danke!

Du hast in deinem Berufsleben bereits für Chevrolet, Opel und Hyundai gearbeitet. Warum bist du zu Genesis gewechselt, einer Marke, die bislang eher im Verborgenen blüht?
(Lacht.) Das ist schön formuliert. Genau das möchte ich ändern. Wie oft bekommt man im Leben die Chance, eine Marke komplett neu aufzubauen? Diese Gelegenheit habe ich beim Schopf gepackt. Ich liebe Herausforderungen. Natürlich ist es nicht leicht, eine neue Premiummarke im hart umkämpften europäischen Markt zu etablieren. Aber Genesis ist ein automobiles Juwel.

Eure Idee ist nicht neu. Toyota hat Lexus als Premiummarke aufgebaut, bei Nissan heißt sie Infiniti, bei Honda Acura. Hyundai startete Genesis 2015 als eigenen Nobelableger. Wie schlagt ihr euch weltweit und in Europa?
Global läuft es sehr gut. Im vergangenen Jahr hat Genesis weltweit rund 220.000 Fahrzeuge verkauft. Seit dem Start 2015 konnten wir insgesamt über 1,5 Millionen Fahrzeuge absetzen, was in diesem Segment beachtlich ist. In Europa sind wir aktuell in Großbritannien, der Schweiz und Deutschland vertreten. In diesem Jahr expandieren wir weiter nach Spanien, Frankreich, Italien und in die Niederlande. Wir sind also auf einem sehr guten Weg.

Autos verkauft ihr in Deutschland bislang eher in homöopathischen Dosen. In der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes werdet ihr nicht separat geführt. Wie viele Fahrzeuge habt ihr 2025 hierzulande verkauft – und welche Bedeutung hat Deutschland für euch?
Über konkrete Verkaufszahlen in einzelnen europäischen Märkten geben wir keine Auskunft. Man darf aber nicht vergessen: Lexus benötigte sehr lange, um erstmalig im Jahr 2024 über 5000 Neuzulassungen in Deutschland erreichen zu können. Wir wollen schneller sein. Eine Luxusmarke muss man aber mit Geduld und gezielten Maßnahmen aufbauen. Unsere Botschaft ist klar: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Deutschland ist für uns ein sehr wichtiger Markt. Es gilt die alte Regel: Wenn du es hier schaffst, schaffst du es überall. Hier sitzen führende Premiumhersteller, hier sind Design- und Technologiekompetenz zu Hause, und die Kunden haben höchste Ansprüche. In Europa sind Deutschland und Großbritannien unsere wichtigsten Märkte.

Wofür steht Genesis? Was unterscheidet euch von der deutschen und asiatischen Premiumkonkurrenz?
Genesis ist eine „design driven performance brand“. Wir stehen für koreanische Perfektion in Design, Fahrkomfort und Innovation – gepaart mit einem sehr hohen Anspruch an Verarbeitung und Materialien. Besonders der Innenraum unserer Fahrzeuge zeigt diese Qualität. Wir setzen nicht alles um, was technisch möglich ist, sondern nur das, was für den Kunden einen echten Mehrwert bietet. Deshalb arbeiten wir seit Jahren bewusst mit haptischen Reglern und Bedienelementen statt mit überladenen Touch-Displays. Zu viel optische Ablenkung schadet Ergonomie und Fahrsicherheit. Unser Ansatz ist zeitlos klassisch – und damit oft seiner Zeit voraus.

»Wie oft bekommt man im Leben die Chance, eine Marke komplett neu aufzubauen?«

Welche Vision und Ziele hast du für Genesis in Deutschland?
Uns fehlt vor allem noch Bekanntheit. Bei „Genesis“ denken viele tatsächlich eher an Phil Collins. Wir wollen unsere Position im Premiumsegment stärken und die Marke fest in Deutschland etablieren. Dazu müssen wir uns klar vom Wettbewerb abgrenzen.Der direkte Kontakt mit den Kunden ist dabei entscheidend. Außergewöhnlicher Service ist Teil unserer „Son-Nim“-DNA – das ist die koreanische Form der Gastfreundschaft.

Wie sieht die aus?
Ein Beispiel ist unser Care-Plan mit Rundum-sorglos-Paket inklusive kostenlosem Hol- und Bring-Service. Ein solches Angebot gibt es bei Wettbewerbern wie Porsche nur gegen Gebühr. Zugleich bauen wir unser Vertriebs- und Servicenetz konsequent aus. Neben den Genesis Studios in Frankfurt und München erweitern wir unser Netzwerk deutschlandweit. Künftig wollen wir mit rund 30 Standorten alle wichtigen Ballungsräume abdecken und das Servicenetz ausbauen. Nur wenn wir sichtbar sind, können wir wachsen.

Was sind eure Bestseller – und was ist in der Pipeline?
In Deutschland ist der SUV GV70 unser meistverkauftes Modell.Kurz vor der Markteinführung steht unsere Performance-Linie „Magma“. Den Anfang macht der GV60 in einer Version mit bis zu 650 PS im Boost-Modus. Weitere Modelle folgen. Zudem bauen wir unser Portfolio in Richtung Elektro- und Hybridantriebe weiter aus. Aufsehen erregen regelmäßig auch die Konzeptstudien unseres Chefdesigners Luc Donckerwolke. Die jüngst präsentierte Shooting-Brake-Studie des G90, das „Wingback Concept“, wurde begeistert aufgenommen. Ob und in welcher Form sie in Serie geht, ist noch offen. Auch im Motorsport zeigen wir Präsenz, etwa beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Von welchen Wettbewerbern gewinnt ihr Kunden?
Genesis ist eine eigenständige Kategorie. Es ist kein Geheimnis, dass manche Kunden bei etablierten Premiumherstellern nicht mehr die Qualität und Wertigkeit finden, die sie früher gewohnt waren – sei es bei Materialien, Verarbeitung oder Servicekosten. Unser Gesamtpaket aus Qualität, Garantie und Service trifft genau diesen Anspruch. Entsprechend gewinnen wir Kunden aus dem Umfeld der deutschen Luxus- und Premium-Hersteller.

»Die „heile Welt“ früherer Jahre gibt es nicht mehr. Wir sollten trotz aller Herausforderungen positiv nach vorne blicken«

Welches Modell fährst du selbst?
Aktuell einen GV70 in mattem Grau mit cremefarbenem Leder und 490 PS. Ich mag Fahrzeuge, die böse aussehen, die ein Präsenz haben – sportlich, kraftvoll und gleichzeitig komfortabel.

Wie beurteilst du die aktuelle Lage der deutschen Automobilindustrie?
Die Situation ist schwierig, aber nicht unlösbar. Elektrifizierung, verändertes Konsumverhalten, geopolitische Unsicherheiten und neue Wettbewerber – insbesondere aus China – verändern die Branche tiefgreifend. Die „heile Welt“ früherer Jahre gibt es nicht mehr. Dieses neue Normal erfordert Anpassungsfähigkeit. Patentrezepte gibt es nicht, aber wir sollten trotz aller Herausforderungen positiv nach vorne blicken.

Welche Werbung hat dich beeindruckt?
Sehr kreativ fand ich den Spot zum Fiat 500 S mit dem Titel „Tested for bad boys“. Und Porsche-Werbung hat mich schon als Kind fasziniert – diese Klarheit, diese Designstärke, die einen förmlich in den Schauraum zieht.

Setzt du im Marketing auch Podcasts ein?
Bislang noch nicht, aber es ist definitiv ein spannender Ansatz, den ich gerne ausprobieren würde. Ich halte Podcasts für eine interessante Möglichkeit, Menschen gezielt mit relevanten Themen zu erreichen und eine persönliche Verbindung aufzubauen.

Welcher CEO beeindruckt dich?
Christine Lagarde. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank wirkt konservativ, streng und elegant, behauptet sich in einem komplexen Umfeld und schafft es zugleich, Teamgeist zu fördern.

Und wer schwächelt?
Alle, die notwendige Veränderungen nicht mitgehen.

Was bewegt dich privat?
In Zeiten permanenter Veränderung ist es wichtig, bei sich zu bleiben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Man muss seine Resilienz stärken, denn jeden Tag passiert etwas Unvorhergesehenes. Kontrolle abzugeben und dennoch den eigenen Werten treu zu bleiben, ist eine tägliche Aufgabe.

Welche Herausforderungen haben dich geprägt?
Jede Position hatte ihre eigenen Herausforderungen. Mein wichtigstes Learning: Das richtige Mindset entscheidet. Man kann viel vom Sport lernen – Disziplin, Training, Durchhaltevermögen. Die größte Barriere, dein größter Feind sitzt meist im eigenen Kopf. Wenn man sich davon nicht blockieren lässt, erreicht man seine Ziele. Und Scheitern gehört dazu.

»Man kann viel vom Sport lernen – Disziplin, Training, Durchhaltevermögen. Die größte Barriere, dein größter Feind sitzt meist im eigenen Kopf«

Welchen Sport betreibst du?
Laufen, Krafttraining, Tennis, Skifahren und aktuell starte ich mit Golf. Das erfordert aber sehr viel Demut und Zeit.

Wer hat dich besonders geprägt?
Imelda Labbé, Präsidentin des VDIK, weil sie sich in dieser Industrie als Frau an die Spitze gearbeitet hat. Und Sportlerinnen wie Angelique Kerber – ihre Disziplin und ihr Umgang mit Niederlagen beeindrucken mich sehr.

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Made in Ausland: Imelda Labbé macht als VDIK-Präsidentin Lobbyarbeit für Automarken, die nicht aus Deutschland kommen. Dabei kämpft sie nicht nur gegen Zölle – sondern auch um einen Masterplan.

Hast du einen Buchtipp?
Ich lese gerade zum dritten Mal 1984 von George Orwell. Mit jedem Lesen entdeckt man neue Perspektiven – wie eine Straße, die man plötzlich aus der entgegengesetzten Richtung befährt.

Und einen Podcast-Tipp?
Den einen Lieblings-Podcast gibt es für mich jetzt nicht. Wenn es die Zeit zulässt, höre ich gerne Podcasts aus den Bereichen Gesundheit und Achtsamkeit, da ich hier einen Ausgleich zum Job finde und mir auch Zeit dafür nehme. Berufsbedingt auch gerne Podcasts aus dem Bereich Automotive und natürlich News und Nachrichten.

Was möchtest du noch erreichen?
Beruflich möchte ich Genesis gemeinsam mit meinem Team nachhaltig erfolgreich machen. Und persönlich möchte ich eines Tages sagen können: Ich habe nichts bereut. Ich würde alles wieder genauso machen. Heute kann ich das schon sagen. Und ich arbeite daran, dass das so bleibt.

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Christina Herzog beantwortet den Audio-Fragebogen von Turi.One:

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meine Mutter mit ihrer Freundin telefoniert hat

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Diesen Rat meiner Eltern habe ich heute noch im Ohr:
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